6. Juni 2016

Nice Guys, The

© Concorde

Regie: Shane Black
Land / Jahr: USA 2016












Pornostar Misty Mountains kommt ums Leben. Das bringt die beiden vollkommen ungleichen Privat-Ermittler Jackson Healy (Russell Crowe) und Holland March (Ryan Gosling) zusammen, die schnell auf die Idee kommen, dass noch viel mehr hinter dem Tod der großbrüstigen Dame stecken könnte. Unterstützung bekommen sie von Hollands Teenager-Tochter Holly (Angourie Rice).
Der Trailer zu "The Nice Guys" versprach Großes: Ein in den 70er-Jahren angesiedelter Buddy-Film mit einem richtig dicken Budget von 50 Millionen Dollar und zwei Superstars in den Hauptrollen. Für Drehbuch und Regie zeichnet sich Shane Black verantwortlich, der schon mit den Büchern zu "Lethal Weapon" und "Last Boy Scout" einiges an Testosteron auf die Leinwand gespritzt hat. Gute Vorzeichen eben.
Das Resultat ist nicht schlecht, aber definitiv ernüchternd. Denn Blacks Drehbuch ist leider wesentlich witzloser und wesentlich harmloser, als es zu vermuten gewesen ist. Die netten Typen machen den Eindruck als hätte irgendein Studio-Boss die derbsten Momente rausgestrichen, denn mit Blacks frühen Schreiberein kann "The Nice Guys" nicht annähernd mithalten. Daraus resultiert natürlich, dass es zwar ein paar gute Lacher gibt, die Frequenz allerdings nicht so hoch ist, wie erhofft.
Auch Russell Crowe und Ryan Gosling sind nicht ganz so hart, nicht ganz so dreckig und nicht ganz so konsequent, wie es möglich und nötig gewesen wäre. Zwar darf Crowe mal ein, zwei Ärmchen brechen und Gosling zu nackten Frauen in den Pool springen, aber das war es dann auch schon. Immerhin werden diese beiden etwas zahmen Herren wunderbar gespielt.
Auch wunderbar gespielt wird Holly von Angourie Rice, die ihrem Vater und seinem Kumpel immer wieder aus der Patsche hilft. Leider hat sie ein paar Szenen zu viel und ist auch wesentlich cleverer und abgebrühter als es für eine Teenagerin passend ist. Holly hat die Eier, die Jackson und Holland in vielen Szenen fehlen.
Unverbrauchte Bilder, wunderbare 70er-Jahre-Stimmung mit vielen Außenaufnahmen, tolle Kostüme, kleine Anekdoten - ich sag nur: "Pornocchio" - und gute Darsteller können das durchschnittliche Drehbuch leider nicht retten. Shane Black wollte wohl noch einmal an seine besten Scripte anknüpfen, aber die "Nice Guys" sind in vielen Momenten zu harmlos. Der Film erinnert an Paul Thomas Andersons "Inherent Vice", der ebenfalls optisch tolles 70er-Feeling lieferte, dessen Drehbuch aber auch viel Potenzial verschenkte.

Fazit: 60 %

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