30. Juni 2016

Reality

© Alive

Regie: Quentin Dupieux
Land / Jahr: Frankreich, Belgien, USA 2014












Jason Tantra (Alain Chabat) hat eine Idee für einen Film: Fernseher töten Menschen per Strahlung. Das könnte ein echter Kassenschlager werden, findet Produzent Bob Marshall (Jonathan Lambert). Eine Bedingung hat er aber noch, bevor es zu einer Unterschrift kommt: Jason hat zwei Tage Zeit, um das ultimative Todes-Stöhnen zu finden.
Nur die wenigsten Regisseure drücken einem Film einen so dicken Stempel auf wie Quentin Dupieux. Vor dem Ansehen sollte sich jeder Zuschauer vergewissern, ob diese Art von Film etwas für ihn ist oder nicht. Denn Dupieux erzählt keine logische Handlung, es ist mehr wie ein fröhlich-surrealer Traum. Mehr Luis Bunuel als David Lynch.
Selbst wenn es hier und da ein paar Brutalitäten und düstere Szenen gibt, Dupieux erhält sich stets die positive und heitere Atmosphäre. Und nicht nur das, er macht sich sogar noch ganz dick über sich selbst lustig. Denn diese Filmidee von tötenden Fernsehern ist vollkommen lächerlich und wird auch ebenso dargestellt. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Dupieux selbst einen noch absurderen Horrorfilm gedreht hat: Denn in "Rubber" ist ein Autoreifen der Mörder. Dieser Verweis wird sogar noch deutlicher wenn Jason ins Kino geht und auf der Anzeigetafel der neuste Horrorschocker "Rubber 2" beworben wird.
Diesmal kommt zu der absurd-surrealen Handlung aber noch der Aspekt des Episodischen hinzu. Denn die mitunter sehr lustige Suche nach dem perfekten Todesstöhnen nimmt zwar einen großen Teil des Filmes ein, nicht zu vergessen ist aber auch der Handlungsstrang mit dem kleinen Mädchen, das eine Videokassette im Bauch des eben erschossenen Wildschweines findet. Das einzige Problem hierbei: Das Mädchen selbst ist viel zu ernst und damit macht es nicht annähernd soviel Spaß sie bei ihrer Aufgabe zu begleiten, wie es das bei dem verrückten Jason macht.
Auch wenn nur weniges Sinn ergibt, so finden die Handlungsstränge dann doch ein immerhin zufriedenstellendes Ende. Es gibt nicht die ganz große Auflösung und das wäre wahrscheinlich auch gar nicht möglich, aber Dupieux lässt den Zuschauer nicht unzufrieden zurück und das ist etwas, was viele Regisseure dieser Art von Film missen lassen.
"Reality" wirkt ausgewogener als "Rubber" oder "Wrong" und zudem ist er ein gutes Stück witziger. So langsam mausert sich Quentin Dupieux zum hellen David Lynch, zu einem echten Autorenfilmer des amüsant-absurden Filmes. Luft nach oben gibt es noch viel, alleine schon, weil die Figuren noch ausgeprägter sein könnten. Aber "Reality" ist nicht nur interessant, weil er anders ist.

Fazit: 65 %

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