17. Juni 2016

Tyson

© Warner

Regie: Uli Edel
Land / Jahr: USA 1995












Er kommt aus dem tiefsten Ghetto, hat seine Fäuste unter Kontrolle - sein Temperament allerdings nicht: Mike Tyson (Michael Jai White) ist mit einem unbeschreiblichen Boxtalent gesegnet. Auf seinem Weg an die Spitze steht ihm aber fast jeder Mensch im Weg - nicht zuletzt er selbst. Vor allem hübschen, jungen Frauen kann er nicht absagen.
Als die Filmbiographie über einen der größten Boxer aller Zeiten enstand, da war der gute Iron Mike noch nicht einmal 30 Jahre alt. Inhaltlich endet die Biographie 1992 mit Tysons Verurteilung wegen einer Vergewaltigung. Dabei machte Tyson nach seiner Inhaftierung einen Wandel durch, boxte nochmals um die Weltmeisterschaft und macht sich vor allem mit einem Mega-Skandal unvergesslich, als er Evander Holyfield bei einem Boxkampf ein Stück dessen Ohres abbiss. Das alles fehlt zwar in "Tyson", genügend Skandale und Erzählenswertes über den Box-Champ gab es aber schon in den frühen 90ern.
Von der heutigen Sicht auf das Leben des Ausnahmesportlers fehlt also jede Menge, die Biographie kam vielleicht zum rechten Zeitpunkt, um noch ordentlich Geld mit dem Thema zu verdienen. Inhaltlich ist das Werk natürlich unbefriedigend, weil man einfach noch zumindest in einer kleinen, dunklen Ecke im Hirn nicht vergessen hat, womit Tyson noch so alles Schlagzeilen machte.
Letzteres ist das perfekte Wort, um diesen Film zu beschreiben: Denn Regisseur Uli Edel - dessen Œuvre eine beeindruckende Sammlung an Schundwerken, mit "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und "Der Baader Meinhof Komplex" aber auch zwei überzeugende Beiträge zur deutschen Filmgeschichte beinhaltet - hat nur ein arg eingeschränktes Interesse daran, den Menschen Mike Tyson zu zeichnen. Edel hangelt sich lieber von Schlagzeile zu Schlagzeile mit Vorliebe für die Skandalepisoden.
Da kann Hauptdarsteller Michael Jai White auch nicht viel machen, obwohl sein Spiel überdurchschnittlich ist und zu den positivsten Aspekten des Filmes gehört. Die anderen Darsteller steckt er auf jeden Fall recht locker in die Tasche, denn die meisten seiner Kollegen kurbeln nur das übliche Programm runter.
Diese Biographie ist inhaltlich ein Schnellschuss, einfach weil so viel Wichtiges aus dem Leben des exzentrischen Sportlers Mike Tyson fehlt. Wer sich mit einem unterhaltsamen und Bildzeitungs-ähnlich strukturierten Film zufrieden gibt, der zumindest Tysons erstes Lebensdrittel gut zusammenfasst, wird an "Tyson" seinen Spaß haben. So richtig blöde Szenen bleiben aus, richtig gute gibt es aber ebenfalls keine. Mehr Durchschnitt geht kaum.

Fazit: 50 %

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