2. Juli 2016

99 Homes: Stadt ohne Gewissen

© EuroVideo

Regie: Ramin Bahrani
Land / Jahr: USA 2014












Dennis Nash (Andrew Garfield) ist arbeitslos, kann den Kredit für das Eigenheim nicht mehr bezahlen. Schnell sorgt Immobilienmakler Rick Carver (Michael Shannon) dafür, dass Dennis' Haus zwangsgeräumt wird. Noch während der Familienvater vor Wut schäumt, bekommt er die Möglichkeit selbst für Carver zu arbeiten. Zwar plagt ihn das Gewissen, aber Dennis braucht das Geld ...
Aus dem Nichts kam Ramin Bahranis lebensnahes Drama. Ein paar Kurzfilme und den gänzlich unbedeutenden Spielfilm "Um jeden Preis - At any Price" hatte Bahrani bislang inszeniert. Bei "99 Homes: Stadt ohne Gewissen" hat er gleich einen gigantischen Berg an Verantwortung zu tragen, zeichnet er doch für Drehbuch, Regie, Produktion und Schnitt verantwortlich. Und zu keinem Zeitpunkt fühlt sich der Film an, als habe sich sein Macher damit übernommen.
Einfache, ehrliche Menschen zieht Immobilienmakler Rick Carver über den Tisch. Nicht mit kriminellen Mitteln - jedenfalls nicht vornehmlich -, sondern weil er sich bestens mit den Gesetzen auskennt. Bei seinen Hausräumungen kann er sogar auf die Unterstützung der Polizei bauen, die ihm stets mit zwei bewaffneten Beamten assistiert. Michael Shannon passt, das wird wohl kaum jemanden überraschen, ausgezeichnet in diese Rolle. Nie muss er handgreiflich werden, stets einen kühlen Kopf bewahren und vor allem: er muss total abgebrüht sein.
Weitaus mehr mit seinem Gewissen zu kämpfen hat Dennis Nash, der nahbare Familienvater. Ein netter Typ, der keine Kohle hat, aber dann die Möglichkeit bekommt, richtig dick Geld zu verdienen. Fressen oder gefressen werden: Dennis will das Geld und der Zuschauer kann es sogar vollkommen verstehen. Regisseur Ramin Bahrani kriegt es sogar hin, dass sich der ein oder andere vielleicht wünschen mag, auch auf diese Weise an Reichtum zu kommen.
Ja, Bahrani bezieht deutlich Stellung, aber er lässt sich glücklicherweise nicht dazu verleiten, zu dämonisieren. Gewaltig wirkt auch sein Gewaltverzicht, denn der Filmemacher setzt nicht auf US-Prollaction, sondern auf lebensnahe Figuren, die in den meisten Fällen mit guten Ausreden das Schicksal zu ihren Gunsten drehen wollen.
"99 Homes: Stadt ohne Gewissen" ist ein sehr gutes Drama und ein sehr guter Thriller mit tollen Darstellern. Lediglich im Finale wird es enttäuschend pathetisch, was der Film nicht gebraucht hätte. Die Bedrohung ist aber so greifbar, weil sie einfach so real ist: Wer macht sich nicht Sorgen um sein Zuhause? Ein gleichermaßen spannender wie auch wichtiger Film mit einer starken Message.

Fazit: 75 %

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