15. Juli 2016

Conjuring II

© Warner

Regie: James Wan
Land / Jahr: USA/Kanada 2016











Enfield, England, 1978: Peggy Hodgson (Frances O'Connor) wurde von ihrem Mann sitzen gelassen und muss sich um die vier Kinder kümmern. Die Familie wird derart schlimm von übernatürlichen Wesen malträtiert, dass das Dämonologen-Ehepaar Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) extra nach England reist. Doch zuerst gilt es herauszufinden, ob die Angriffe echt sind.
Er ist noch nicht einmal 40 Jahre alt, doch James Wan gilt schon jetzt als einer der bedeutendsten Regisseure des Horror-Genres. Eines seiner besten Werke ist definitiv "The Conjuring" aus dem Jahr 2013. Entgegen der Genre-Trends gibt sich Wan nicht mit minderqualitativen Jump-Scares zufrieden, sondern verbindet gruselige Geschichten mit hochqualitativen Drehbüchern und einer famosen Inszenierung.
Es wird noch besser: Wan macht nicht einmal davor halt, sogar noch megaspannende Sequels zu drehen. Bei ihm kommt einfach nicht das Gefühl auf, dass er seine Erfolge bis auf den letzten Cent ausschlachtet, wie bei so vielen anderen Filmemachern und Studios. Ein echter Wan kann schon fast pauschal als guter bis sehr guter Film bezeichnet werden.
"Conjuring 2" ist da keine Ausnahme. Erneut schickt Wan das Dämonologen-Ehepaar Warren - ja, diese Leute sind nicht fiktiv, sondern haben wirklich gelebt - zu einem Fall, bei dem eine Mutter und ihre vier Kinder angeblich von Dämonen terrorisiert werden. Hört sich nach der üblichen Horror-Formel an, aber was Wan damit macht ist einfach nur groß.
Es ist vor allem die Umsetzung des Stoffes, die absolut überzeugt: detailreiche Kostüme und Ausstattung, sympathische Figuren und vor allem die sensationelle Kameraarbeit sind ein Hochgenuss für das Auge. Nicht aufgrund billiger CGI, sondern aufgrund der unglaublichen Dynamik der Kamera von Don Burgess. Der häufige Einsatz von Kran und Steady-Cam ist absolut berechtigt und verleiht dem Film genau das richtige Tempo und die richtige Atmosphäre.
Einen dicken Kritikpunkt gibt es aber doch bei diesem hervorragend gefilmten Horrorstreifen: Zwar kann die nicht zu leugnende Hommage an den Genre-Klassiker "Der Exorzist" bestens gefallen. Doch der zwei Stunden und fünfzehn Minuten lange Film hat ein ungewöhnlich knappes und wenig schockierendes Finale. Das ist besonders unter dem Aspekt erstaunlich, wenn man bedenkt, wie lange der Showdown im ersten Teil gedauert hat.
In "Conjuring 2" steckt filmisch gesehen mehr Liebe als in nahezu jeder Liebes-Komödie, was vor allem an Regisseur James Wan liegt, der seine Mega-Erfolge nicht seelenlos in den Sequels ausschlachtet. Inhaltlich kann der Nachfolger zwar mit tollen Figuren und einigen Gänsehaut-Momenten aufwarten, aber Wan ist mehr darauf konzentriert einen tollen Vertreter des klassischen Horrorfilms zu machen als mit seiner Geschichte Neuland zu betreten. Umsetzung: meisterhaft; Story: besserer Durchschnitt.

Fazit: 70 %

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