21. Juli 2016

Der müde Tod

© Universum

Regie: Fritz Lang
Land / Jahr: Deutschland 1921












Ein junges Pärchen reist per Kutsche in die Stadt. Ebenfalls mit an Bord: Gevatter Tod (Bernhard Goetzke). Bei der Ankunft ist die Lebenszeit des jungen Mannes (Walter Janssen) abgelaufen, der Tod nimmt ihn mit. Eine Chance ihren Geliebten zurück zu den Lebenden zu holen bekommt die junge Frau (Lil Dagover) aber noch: Sie muss einem von drei Totgeweihten das Leben retten.
Die "Dr. Mabuse"-Filme, "Die Nibelungenen", "M" und "Metropolis" machten Fritz Lang unsterblich. Für immer gehört er zu der ganz großen Avantgarde des Kinos. Seinen Durchbruch hatte der Wiener aber einem ganz anderen Film zu verdanken: Sein Fantasy-Drama "Der müde Tod" ist ein sehr gut geschriebenes Feuerwerk an großartigen Ideen.
Eingeteilt in sechs Verse erzählt Lang eine tragische Liebesgeschichte. Antagonist ist der Tod, der aber keineswegs einen Bösewicht spielt. Er hält sich einfach nur an die ihm aufgelegten Regeln, ist seiner Arbeit aber mittlerweile so überdrüssig, dass er müde und gelangweilt ist und der jungen Liebenden ein nettes Spielchen anbietet. Drei Lebenskerzen drohen zu erlöschen, dreimal hat die junge Frau die Möglichkeit, die Geschichte zu ihren Gunsten zu drehen.
Dabei erinnert die Struktur von "Der müde Tod" an D. W. Griffiths Epos "Intolerance" von 1916: Griffith erzählt mehrere Handlungsstränge in verschiedenen Kulturen. Auch Lang schickt seine Figuren in den einzelnen Episoden über den Globus: Einmal ist die junge Frau in China im Einsatz, ein anderes Mal im Orient und zuletzt beim venezianischen Karneval. Diese Einteilung macht "Der müde Tod" wunderbar kurzweilig, auch weil Lang den Film mit so vielen Ideen gespickt hat.
2016 kam der Film zu verdienten Ehren, als die Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung ihn komplett digital überarbeitete. Da keine Originalkopie der viragierten Kinofassung von 1921 erhalten ist, sondern nur schwarz/weiß Umkopierungen aus den 30er Jahren, bleibt die Original-Virage nur zu erahnen. Die Interpretation der Stiftung ist aber großartig gelungen und ein ehrenwerter Beitrag zur (deutschen) Filmkunst.
"Der müde Tod" ist ein essentielles Stück Filmgeschichte. Langs Werk mutet an, als wäre es von D. W. Griffiths epochalem "Intolerance" beeinflusst und wirkt mitunter wie ein Vorbote zu Friedrich Wilhelms Murnaus "Faust" (1926), der ebenfalls äußerst beeindruckend gefilmt ist und seine dramatische Geschichte mit einigen kurzweiligen Abenteuer garniert. "Der müde Tod" lässt schon erahnen, was für ein Genie in Fritz Lang gesteckt hat.

Fazit: 85 %

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