3. Juli 2016

Ein Mann sieht rot

© Kinowelt

Regie: Michael Winner
Land / Jahr: USA 1974












Paul Kersey (Charles Bronson) ist ein erfolgreicher Architekt und ein Vorbildbürger. Seine pazifistische Einstellung ändert sich aber schnell, als seine Frau getötet und seine Tochter vergewaltigt wird. Praktischerweise hat Paul gerade von einem Geschäftsfreund eine edle Pistole geschenkt bekommen, mit der er die Arbeit der Polizei verrichtet.
"Spiel mir das Lied vom Tod" und "Die glorreichen Sieben" waren Charles Bronsons Mega-Western-Erfolge, seine beiden Kriegsfilme "Gesprengte Ketten" und "Das dreckige Dutzend" sind ebenfalls echte Klassiker. Der einzige Gegenwarts-Film mit dem knallharten Ami, der es in die Film-Geschichtsbücher geschafft hat ist "Ein Mann sieht rot".
Diese Mutter aller Selbstjustizfilme hat es auf vier Fortsetzungen - alle mit Charles Bronson - gebracht, die jedoch ziemlicher Trash-Schrott sind. Teil eins hingegen hat einiges zu bieten. Schließlich wurde die Geschichte hier nicht auf die Action fokussiert angelegt, sondern auf die Gesellschaftskritik. Die Aussage dieses Thrillers ist jedoch von äußerst zweifelhafter Moral, da der Rächer von New York seine Aufgabe besser macht als die Polizei.
Besonders interessant ist bei "Ein Mann sieht rot" aber, dass Paul nicht einen gezielten Rachefeldzug gegen die Peiniger von Frau und Tochter startet. Seine Todesurteile spricht er gegen alle kriminellen Subjekte aus, die ihm vor die sprichwörtliche Flinte laufen. Paul macht sich selbst zum Polizisten, Richter und Henker in einer Person. Und wenn er mal nicht sicher ist, ob sein Schuss auch tödlich war, dann feuert er gerne nochmal auf das am Boden liegende Opfer.
Was den ganzen Film sympathisch macht, ist das Paul sich wie ein echter Mensch verhält. Er hat anfangs noch ernstafte Probleme damit, Menschen abzuknallen. Und er lässt es nicht auf alberne hollywoodeske Schießereien ankommen, sondern bevorzugt die hauptsache-überlebt Variante. Das ist nicht kitschig heroisch, sondern ganz einfach konsequent.
Und Bronson passt wunderbar in die Rolle des niedergeschlagenen, aber rachsüchtigen Familienvaters, obwohl er nicht erste Wahl war. Clint Eastwood hatte die Rolle abgelehnt, auch mit der angeblichen Anfrage an Elvis Presley waren die Produzenten nicht erfolgreich. Zudem ist ein anderer US-Star hier das erst Mal auf der Leinwand zu sehen: Jeff Goldblum spielt eine Mini-Rolle, die im Abspann als "Freak #1" bezeichnet wird.
"Ein Mann sieht rot" oder "Death Wish", wie der Film im Original heißt, löste eine heiße Selbstjustiz-Diskussion aus und das zu recht. Wenn auch Bronson immer behauptete die Nachricht sei "Gewalt erzeugt Gegengewalt", so kommt das im Film eher rüber wie "Wenn du willst, dass etwas richtig gemacht wird, dann mach es selbst". Technisch eher unscheinbar ist "Ein Mann sieht rot" vor allem aufgrund seiner interessanten Handlung filmhistorisch relevant.

Fazit: 60 %

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