28. Juli 2016

God bless America

© EuroVideo

Regie: Bobcat Goldthwait
Land / Jahr: USA 2011












Für Frank (Joel Murray) läuft das Leben gar nicht nach Plan: Seine Frau lebt zusammen mit ihrem neuen Freund, er verliert seinen Arbeitsplatz und erfährt am selben Tag, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Da knallen bei dem verzweifelten Mann alle Sicherungen durch und er begibt sich auf eine Mordtour durch die Vereinigten Staaten.
"God bless America" ist eine sehr eigensinnige Satire, die ausschließlich aus Licht und Schatten besteht. Einerseits ist der Film ein gnadenloses Requiem auf das Zeitalter der Verdummung, in dem wir heutzutage leben und dem nur noch die allerwenigsten Menschen wissentlich widerstehen. Frank ist einer davon. Jeden Tag wird er konfrontiert mit sinnlosen Gesprächen über die Castingshows vom Vortag, über die Lobpreisung des Banalen. Er lässt es über sich ergehen.
Was soll der einzelne schon ausrichten, wenn eine ganze Nation ihre Gedanken von primitiven TV-Shows vergewaltigen lässt? Aber die Krankheit und der Jobverlust werden zu willkommenen Motiven einmal ordentlich durchzugreifen. Auf die typisch amerikanische Art eben: Mit einer voll geladenen Schusswaffe.
Und da kippt der Film ins Negative. Denn eigentlich ist Frank nicht besser als die Menschen, die er verachtet. Er gibt sich zu keinem Zeitpunkt Mühe, etwas aus seinem Leben zu machen. Im Endeffekt schwimmt er doch mit der Masse, ohne es zu wissen. Ebenso wie seine junge Killerfreundin, die ebenfalls ein Produkt dieser verkommenen Gesellschaft ist.
Szenen in denen das Nachbarsbaby wegen des Geschreis mit einer Schrottflinte zerfetzt wird sind nicht satirisch, sondern einfach nur genauso dumm, wie die Vorwürfe, die Regisseur Bobcat Goldthwait der Gesellschaft macht. Und Momente dieses Kalibers gibt es eine Menge in "God bless America". Goldthwait wollte von oben herab seine Mitmenschen kritisieren. Letztendlich ist er aber keinen Millimeter besser.
In den Staaten wurde "God bless America" von einigen Kritikern für seinen Scharfsinn gefeiert, aber das Werk ist nur ein verkommenes Produkt der Gesellschaft, die es kritisiert. Der Film hat viele positive Ansätze und viel, dass zum Denken anregen sollte. Aber seine lustigen Momente zünden nur selten, seine Figuren sind nicht nur selbstverliebt, sondern auch nicht wirklich glaubwürdig. "God bless America" ist ein sehr interessanter Abgesang auf die Ära des Primitiven, scheitert aber letzten Endes an sich selbst. Zwischen bitterbös sarkastisch und gnadenlos gehässig gibt es nämlich einen großen Unterschied.

Fazit: 45 %

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