25. Juli 2016

Kinder des Fechters, Die

© Zorro

Regie: Klaus Härö
Land / Jahr: Finnland, Estland, Deutschland 2015












Endel (Märt Avandi) flüchtet Anfang der 50er Jahre vor der russischen Geheimpolizei in ein kleines Städtchen in Estland, bekommt dort eine Anstellung als Lehrer und bietet den Kindern an, an einem Fecht-Kurs teilzunehmen. Das Sport-Projekt kommt so gut bei den Kindern an, dass sie unbedingt an einem großen Turnier in Leningrad teilnehmen möchten.
Endel ist zwar der Protagonist von "Die Kinder des Fechters", aber kein wirklicher Sympathieträger. Er ist ängstlich, distanziert und eigentlich gar nicht für den Beruf eines Lehrers geeignet, macht aber eine glaubhafte Wendung durch. Egal ob man Endel mag oder nicht, man kann sein Verhalten absolut nachvollziehen.
Weniger nachvollziehbar ist der zart kitschige Nebenhandlungsstrang mit der kleinen Liebesgeschichte. Die Romanze ist zwar erträglich, inhaltlich aber ziemlich irrelevant für die Entwicklung der Geschichte. Ob der wortkarge Fechter die Frau kriegt oder nicht, spielt keine Rolle für Endels Privatschlacht gegen die kommunistischen Unterdrücker.
Auch das Fechtturnier in Leningrad passt nicht so recht in das restliche Konstrukt. Es hat eine unpassend romantische Struktur, die eher zu einem Disney-Sportfilm passt, bei denen stets die Kleinen gegen übermächtige Gegner aufmucken. Das soll nicht heißen, das es schlecht inszeniert ist, aber es karikiert doch ein wenig die Ernsthaftigkeit der Geschichte.
Der Film beruht übrigens auf der wahren Geschichte von Endel Nelis, der tatsächlich die 10.000-Einwohner-Gemeinde Haapsalu zu einer Art Zentrum für den estnischen Fechtsport gemacht hat - jedenfalls für estnische Verhältnisse. Immerhin beachtlich: Fechter aus Estland konnten vier Medaillen bei Olympischen Spielen im Fechten erkämpfen - zweimal gab es Gold (1968 und 1972 für die Damen-Mannschaft mit dem Florett), zweimal gab es Bronze (1972 und 1988 für die Degen-Mannschaft der Männer). Alle estnischen Sportler starteten damals allerdings noch für die Sowjetunion.
Finnlands Oscar-Einreichung "Die Kinder des Fechters" ist ein ruhiges Sportler-Drama mit sehr ernsten Untertönen. Leider kann sich das Drehbuch nicht hundertprozentig entscheiden, ob der Film den Sportwettkampf oder das tragische Schicksal seines Protagonisten in den Vordergrund stellen möchte. Positiv ist vor allem der ästhetische Stil von Regisseur Klaus Härö zu erwähnen. Unter dem Strich macht das eine ungewöhnliche aber lediglich überdurchschnittliche Sportler-Biografie.

Fazit: 60 %

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