13. Juli 2016

Uzumaki

© Rapid Eye Movies

Regie: Higuchinsky
Land / Jahr: Japan 2000












Die Schülerin Kirie Goshima (Eriko Hatsune) erwischt den Vater ihres Freundes dabei, wie er mit einer Videokamera eine Schnecke filmt. Wie besessen sitzt er vor dem Tier und starrt auf das spiralförmige Häuschen. Doch diese Sucht nach Spiralen ergreift auch die anderen Dorfbewohner, bis sie entweder in Spiralen sterben oder sich in Schnecken verwandeln.
Werke wie dieses sind der Grund, warum Japan als das Königreich des Abgedrehten, des Absurden gilt. So ein verrückter Film wäre wohl in kaum einem anderen Land der Welt möglich. Der in der Ukraine geborene Regisseur Higuchinsky nimmt sich der Manga-Vorlage an und entführt die Zuschauer in das japanische Dörfchen Kurouzu. Ab dann stehen Spiralen in jeglicher Form im Fokus: Im Schneckenhäuschen, im Himmel, in den Haaren von Menschen.
Einen Grund, warum das Dorf von allem, das spiralförmig ist, angezogen wird, liefert Higuchinsky nicht beziehungsweise nur sehr dürftig. Er konzentriert sich vor allem darauf, für sein schlankes Budget von nur einer Million Dollar, möglichst viele Ideen in den Film zu quetschen. Das wirkt erfreulicherweise nicht erzwungen, sondern macht viele Einstellungen zu Suchbildern. Schließlich fallen die Spiralen nicht immer sofort ins Auge.
Auch von seiner Erzählstruktur schickt Higuchinsky seinen Mystery-Horrorfilm nicht auf gerade Wege. Er hat kein Problem damit, wichtige Figuren zu opfern, entzieht Schülerin Kirie im letzten Drittel von „Uzumaki“ sogar die Erzählperspektive und wechselt zu anderen Figuren. Das ist unkonventionell, passt aber gut in den Film, der sich fast schon zwanghaft aus der Masse abzusetzen weiß.
Dass der Zuschauer sich aber so spielend leicht von seinen Figuren loslösen kann, liegt leider auch an den schwachen Darstellern, die kaum mitreißen können. Gerade Kirie, die die meiste Screentime bekommt, bleibt blass und langweilig. Ihre Beobachtungen sind wesentlich interessanter als ihre eigenen Handlungen und so bleibt sie eine ganz schwache Figur.
„Uzumaki“ ist äußerst innovativ und erzähltechnisch interessant, allein schon weil es keinen klaren Bösewicht gibt, sondern etwas ungewöhnlich Mysteriöses im Mittelpunkt steht. Da aber die Protagonisten - und zwar alle – nur wenig Spaß machen, verschenkt der Film jede Menge Potenzial. Sehenswert ist dieser Trip nach Kurouzu aber dennoch, weil er sehr exzentrisch, wenn auch nicht logisch, ist.

Fazit: 60 %

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