3. August 2016

Awaydays

© Kinowelt

Regie: Pat Holden
Land / Jahr: Großbritannien 2009












England im November 1979: Der 19-jährige Paul Carty (Nicky Bell) schließt sich nach dem Tod seiner Mutter dem "Pack" an - einer besonders gewalttätigen Hooligan-Gruppe, die keine Möglichkeit auf eine ordentliche Schlägerei auslässt. Mit der Aufnahme in der Gruppe führt Paul ein Doppelleben: Unter der Woche trägt er Anzug und Krawatte, an dem Wochenenden zieht er in die Schlacht.
Hooligans und Fußball haben nicht viel miteinander gemeinsam, steht der Sport doch deutlich im Abseits. Bei "Awaydays" sogar so sehr, dass er fast keine sportlichen Momente beinhaltet. Einmal ist das "Pack" im Stadion bei einem Spiel; wahrscheinlich aus Kostengründen hält die Kamera nur auf einen ganz kleinen Teil der Zuschauerränge. Der Fußball wird soweit anonymisiert, dass man nach dem Film nicht nur keinerlei Ahnung hat, für welche Mannschaft das "Pack" eigentlich ist. Es gibt sogar fast gar keine Anzeichen, dass es sich überhaupt um Fußball handelt. Keine Spielszenen, eine mikrige Stadionszene, die Jungs tragen keine Fan-Schals, reden nicht über den Sport.
Abseits dieses dicken Mankos in der Erzählstruktur des Filmes, hat das Werk von Regisseur Pat Holden auch seine Stärken. Die Jung-Darsteller liefern fast durch die Bank weg gute bis sehr gute Leistungen ab. Zwar ist es kaum zu verstehen, was sie daran reizt, ihre Gesundheit und die ihrer Gegner so schamlos zu riskieren, aber immerhin zeigt Holden nicht ausschließlich gesichtslose, dumpfe Prügler, sondern junge Menschen mit einer fetten Wunde im Sozialverständnis.
Geboren wurde die Geschichte im Kopf von Kevin Sampson, der nicht nur den Roman, sondern auch das Drehbuch zu "Awaydays" schrieb. Das 1998 erschienene Buch war das erste Werk des britischen Autors, der mittlerweile seinen zehnten Roman veröffentlicht hat und zu den Größen der gegenwärtigen britischen Literaturszene gehört. Erfunden sollen die Geschehnisse um die Prügelknaben aber nicht sein, sagt Sampson doch, dass sie auf Eindrücken von Hooligans aus seiner Jugend beruhen.
Was bestens für eine adäquate Stimmung sorgt, ist der passend ausgewählte Soundtrack. Angeführt von Bands wie Joy Division, Simple Minds und The Cure ist es vor allem die New-Wave-Band Ultravox, die gleich mit vier Songs auf dem Soundtrack vertreten ist. Sie alle verleihen dem Film ein leicht düsteres, melancholisches Flair.
Wer keine Sportfilme mag, der braucht vor "Awaydays" keine Angst zu haben: Dieser Hooligan-Film enthält nur minimalste Spuren von Sport. Und das ist auch sein größtes Problem. Es gibt zwar mehrere interessante Figuren und die Handlung hält auch bei Laune, letzten Ende ist "Awaydays" aber viel generisch: Orte und Vereine spielen keine Rolle. Dadurch geht dem Film einfach zu viel Identität und Authentizität verloren. Nettes Drama um Jungs, die Probleme haben mit dem Erwachsenwerden - schwacher Sportfilm.

Fazit: 55 %

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