5. August 2016

Bronze

© Sony

Regie: Bryan Buckley
Land / Jahr: USA 2015












Die ehemalige Leistungsturnerin Hope (Melissa Rauch) hat es immer noch nicht verkraftet, dass sie sich im Finale bei Olympia 2004 in Rom schwer verletzt hat und am Ende nur die ungeliebte Bronze-Medaille raussprang. Seit zehn Jahren hat sie schlechte Laune. Jetzt soll sie auch noch die Trainerin der neuen Gold-Hoffnung Maggie (Haley Lu Richardson) werden.
"Dabei sein ist alles" zählt für Hope nicht, sie kennt nur Platz 1. Obwohl es dazu nicht gereicht hat, sieht sie sich immer noch als lokale Heldin und behandelt ihre Mitmenschen, allen voran ihren Vater Stan (Gary Cole), von oben herab. Sie fordert Gratis-Essen im Burger-Schuppen und hat nicht die geringste Motivation für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Ihren Traininganzug mit der Aufschrift "Rome 2004" trägt sie den ganzen Film über.
Hope ist auch für Regisseur Bryan Buckley der Mittelpunkt des Universums, baut er doch den gesamten Film um ihre Figur auf. Seine Hauptdarstellerin Melissa Rauch zahlt es ihm mit einer Leistung wieder, die besser ist, als der gesamte Rest des Filmes. Doch leider liegt es am Regisseur, dass "Bronze" trotz viel Potential nicht funktioniert: Er überzeichnet seine Figuren zu krass. Einen Satz ohne Schimpfworte kriegt die ehemalige Edelmetall-Hoffnung über die ganzen 100 Minuten nicht über die Lippen und Hope flucht derber als es für ameerikanische Filme üblich ist. Ein paar nette Metaphern - "Er hat meine Kirsche entkernt" - inklusive.
Die derben Sprüche und eine heitere Atmosphäre sind aber auch schon alles, was diesen Film zu einer Komödie machen soll. Im ganzen Drehbuch scheint es keinen Platz für einen "echten" Gag gegeben zu haben. Für gute Laune reicht das beim Zuschauer - insofern er mit der unsympathischen, verbitterten Hope zurecht kommt -, echte Lacher bleiben aber komplett aus.
Die einzige wirklich mutige und kreative Szene ist der Fremgehmoment von Hope mit dem eigentlich verhassten Erzrivalen. Denn "Bronze" scheut es nicht, die beiden Figuren komplett nackt (und zwar auch von vorne) zu zeigen. Das ist zwar flott geschnitten und eigentlich sieht man alles, ohne etwas zu sehen. Aber auch hier gilt: Gerade für US-Verhältnisse geht das weiter, als es die Konventionen vorschreiben.
"Bronze" ist eigentlich viel zu heiter und unernst für ein gutes Drama, zu witzlos für eine Komödie. Die Mischung, die sich Regisseur Bryan Buckley ausgedacht hat, funktioniert leider nicht. Das Gesamtkonzept vermittelt den Eindruck, dass viel mehr drin gewesen wäre. Immerhin gibt es eine Fülle interessanter, weil nicht typischer Hollywood-Figuren. Zusätzlicher dicker Pluspunkt: Die Seitenhiebe gegen die verlorengegangene Ethik im Sport kommen gut an. Insgesamt hat auch der Film nur eine Bronze-Medaille verdient.

Fazit: 55 %

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