8. August 2016

Bunker, Der

© Bildstörung

Regie: Nikias Chryssos
Land / Jahr: Deutschland 2015












Ein Student (Pit Bukowski) möchte in Ruhe an seiner wissenschaftlichen Arbeit schreiben - was gibt es dann da besseres, als ein stilles Zimmerchen in einem Bunker. Und wenn der nette Herr Student mal einen Knödel extra essen will, dann kann er das wieder wett machen, indem er den achtjährigen Klaus (Daniel Fripan) unterrichtet. Schließlich soll der Klaus mal Präsident werden.
Deutschland ist ja nicht gerade für seine kreativen Filme bekannt. Alles abseits des Dramas funktioniert hier einfach nicht und wird deshalb nur ganz selten ausprobiert. Das Resultat ist, dass das deutsche Kino von zwei Filmarten beherrscht wird: Dramas, die die Welt erklären wollen und Filme mit Nazis in jeglicher Form.
"Der Bunker" ist eine äußerst willkommene Ausnahme. Es gibt einfach nichts, was deutsch ist an diesem verrückten Film: Bilder mit extrem kräftigen Farben. exzentrische Figuren und ein vollkommen absurdes Drehbuch, das sich konsequent seine eigene Logik errichtet und immerhin auch bedingungslos daran hält.
Regisseur Nikias Chryssos ist zu keinem Punkt daran interessiert, die zahllosen Fragen zu beantworten, die die Handlung immer wieder aufwirft. Dennoch ist nicht zu befürchten, dass sich die Handlung im Kreis dreht; Chryssos lässt seinen Film nicht auf der Stelle treten, sondern erzählt ihn flott weiter. Im letzten Drittel geht ihm aber doch die Luft aus und "Der Bunker" bietet ein enttäuschendes Finale, das dem vorangegangenen nicht gerecht wird.
Die besten Momente sind aber zweifelsohne die Szenen, in denen der kleine Klaus vom "Herrn Student" unterrichtet wird. Klaus wird gespielt von einem 31-Jährigen, sieht aus wie ein 31-Jähriger, hat aber eine wunderbare knabenhafte He-Man-Perücke auf, ist babyglatt rasiert und trägt Klamotten, die der achtjährigen Figur gerecht werden. Selbst der Student wundert sich in einer Szene, dass Klaus wesentlich älter aussieht. Eine Aufklärung gibt es nicht. Da der Klaus aber mal Präsident werden soll und leider sensationell dumm ist, muss er unterrichtet werden. Seine Antworten bei der Hauptstädte-Abfrage sind wirklich großartig.
"Der Bunker" ist der undeutscheste Film der vergangenen Jahre - und das ist absolut als Kompliment zu verstehen. Er ist überaus kreativ, fast schon märchenhaft mit einem leicht perversen Touch. Die Rolle des achtjährigen Klaus mit dem damals 31-jährigen Daniel Fripan zu besetzen war ein genialer Schachzug. Gerade die Unterrichtszenen sind die absoluten Höhepunkte in einer Groteske, die im letzten Drittel leider kolossal abbaut und ein fast schon herkömmliches Finale liefert. Für Freunde des Absruden ist "Der Bunker" aber definitiv einen Blick wert.

Fazit: 65 %

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