2. August 2016

Eisenstein in Guanajuato

© Edition Salzgeber

Regie: Peter Greenaway
Land / Jahr: Niederlande, Belgien, Finnland, Mexiko, Frankreich 2015











1931: Der russische Regisseur Sergei Eisenstein (Elmer Bäck) plant seinen neuen Film "¡Que Viva Mexico!" vor Ort in Guanajuato zu drehen. In dem Dokumentarfilm soll es um das Leben im modernen Mexiko gehen. Das Enfant terrible bevorzugt es aber, seine neuen (sexuellen) Freiheiten vollends auszukosten.
Drei Filme - "Streik", "Panzerkreuzer Potemkin" und "Oktober" - hatte Sergei Eisenstein erst gedreht und galt als einer der interessantesten Filmemacher der 20er Jahre. Da geht der Russe mir nichts, dir nichts nach Mexiko. Zwar dreht er meterweise Filmmaterial, wird diesen Film aber niemals fertigstellen. Die meiste Zeit in dem nordamerikanischen Staat nutzt Eisenstein, um seine unterdrückte Homosexualität auszuleben.
Peter Greenaway ist ja nicht so der Regisseur, der für locker leichte Unterhaltung bekannt ist. Es darf bei dem Briten gerne immer etwas artifiziell sein, er experimentiert einfach gerne mit dem Filmmaterial. Das passt es natürlich eine Teil-Biographie über einen der absoluten Film-Pioniere zu drehen und dessen Lebensabschnitt etwas genauer zu beleuchten.
Aber Grenaway wäre nicht Greenaway wenn er versuchen würde ein möglichst realistätsnahes Abbild von Eisensteins Mexiko-Episode zu drehen. Anstatt sich auf das Wirken und die Probleme mit den Dreharbeiten und den kreativen Aspekten der Mexiko-Doku zu fokussieren, interessiert es Greenaway vor allem die homosexuellen Neigungen des Kommunisten unter die Lupe zu nehmen. Diverse Nacktszenen, Penis-Monologue und anale Liebe inklusive.
Als wäre es nicht schon aufgesetzt und nervig genug, dass Eisenstein permanent nackt ist und seinen Penis in die Kamera hält, so ist es vor allem Greenaways Regie, die stellenweise völlig unpassend ist. Er lässt seine Figuren in vielen Szenen schreien oder zumindest sehr laut sprechen, sie laufen oft im Kreis und bewegen sich stets mit unpassender Hektik - Greenaway schien es sehr wichtig zu sein, permanente Unruhe zu erzeugen.
Seine Versuche durch die mexikanischen Verbrecher Bedrohung zu generieren, die es auf den reichen Europäer abgesehen haben, funktioniern überhaupt nicht, haben sogar comichaften Charakter. Auch die ungewöhnlichen Schnitte wirken eher gewollt künstlerisch als angemessen und passend. Ein Eisenstein ist Greenaway eben nicht.
"Eisenstein in Guanajuato" ist tendenziell interessant, leider versäumt es Greenaway aber die historischen Ereignisse angemessen aufzuarbeiten. Er zeigt auch keinerlei Interesse daran, was diesen Film umso ärgerlicher macht. Einen Einblick in das noch recht frühe Filmemachen bekommt man nur selten geboten, dieses Werk hätte also eine echte Chance sein können.

Fazit: 50 %

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