31. August 2016

Heart of a Lion

© Alive

Regie: Dome Karukoski
Land / Jahr: Finnland, Schweden 2013












Eigentlich könnten Teppo (Peter Franzén) und Sari (Laura Birn) ein ganz normales Pärchen sein, aber es gibt da zwei Faktoren, die nicht zueinander passen. Denn Teppo ist überzeugter Neo-Nazi und Anführer einer gewalttätigen Gruppe, seine neue Liebe Sari hat einen Sohn aus ihrer vorherigen Beziehung - und der ist schwarz.

Kein 08/15-Rassist
Teppo ist kein 08/15-Rassist, er ist ein knallharter Ausländerhasser, der seine Überzeugungen gerne mit den Fäusten in die Tat umsetzt. Bei seiner ersten Begegnung mit dem kleinen Rhamadhani (Yusufa Sidibeh) sind beide ziemlich perplex. Besonders interessant ist dabei aber vor allem das Verhalten der Mutter, denn Sari lässt die beiden Erfahrungen miteinander sammeln, ohne viel Einfluss zu nehmen. Rhamadhani ist einerseits ein ängstliches Kind, andererseits ist es auch seine trotzige Art, seinen neuen Fascho-Vater bis auf das arische Blut zu provozieren. Ein Highlight ist die Szene, in der der Junge den Videoclip mit der Finnland-Fahne dreht.
Teppo arrangiert sich zwar recht schnell mit den Umständen, aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes der Mutter, für ein paar Wochen und Monate ein alleinerziehender Vater zu sein. Und da kommt sein Bruder ins Spiel. Denn der äußerst aggressive Harri (Jasper Pääkönen) übernimmt von da an die Rolle des Bluthundes. Und der ist so dermaßen bitterböse und voller Hass, dass es ein gutes Ende kaum erwartbar ist. Denn bis ans Lebensende kann das Geheimnis mit dem dunkelhäutigen Stiefsohn nicht bewahrt werden.

Löwenherz unter der Flex
Wenn das Drama zunimmt, lässt sich Regisseur Dome Karukoski aber leider zu einigen Übertreibungen hinreißen. Das wortwörtliche Wegflexen des Löwenherzens hat fast schon comichaften Charakter und passt nicht wirklich in die ansonsten dramatische Erzählung. In selbige Problemkategorie gehört auch die Handgranatenattacke: Leider eine Spur drüber. Und das sind nicht die einzigen Momente, in denen wesentlich bessere Lösungen möglich gewesen wären.
"Heart of a Lion" liefert nicht die gewöhnliche böser-Nazi-und-liebes-Kind-Struktur. Was die Figuren anbelangt, haben Karukoski und seine Darsteller tolle Arbeit abgeliefert und eindringliche Charaktere kreiert. Die Handlung erfährt aber besonders in der zweiten Hälfte mehrere unbefriedigende Wendungen. Einen Blick wert ist "Heart of a Lion" aber allemal, vor allem weil das Thema Rassismus in skandinavischen Filme nicht zum Alltag gehört.

Fazit: 65 %

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