15. August 2016

Mystery Train

© Arthaus

Regie: Jim Jarmusch
Land / Jahr: USA, Japan 1989












In drei Episoden schickt Jim Jarmusch Figuren nach oder durch Memphis, Illinois. Zwei japanische Touristen, zwei junge Frauen und eine Gruppe von drei Polizeiflüchtigen kommt, ohne von der Anwesenheit der anderen zu wissen in einem kleinen Hotel unter, das in jedem Zimmer ein Bild der größten Berühmtheit der Stadt hängen hat: Elvis Presley.
"Mystery Train" ist ein Hit von eben jenem King of Rock'n'Roll gewesen. Doch mit dem Zug ins Ungewisse kommt lediglich das Touristenpärchen aus Japan in Memphis an. Die beiden sind nicht nur im Herzen, sondern auch äußerlich große Fans dieser wichtigen Epoche der US-Musik. Und das Beste: Bei Jim Jarmusch sprechen Japaner Japanisch. Erstaunlich bei einem Film, der aus einem Land kommt, das für Russen-Rollen für gewöhnlich deutsche Schauspieler castet, die kein Wort Russisch und kein Zeichen Kyrillisch können.
Aber es handelt sich ja auch nicht um einen x-beliebigen Regisseur der Traumfabrik, sondern um einen echten Autoren und eigenwilligen Film-Künstler, der sich für "Mystery Train" verantwortlich zeichnet. Und Jarmusch drückt dem Film seinen Stempel so fest wie selten auf und schaltet wie für ihn üblich in den ersten Gang und zeigt keinerlei Verlangen, jemals zu beschleunigen. Jarmuscheske Melancholie eben.
Diese programmmäßige Langsamkeit lebt von ihren lebensnahen, aber durchgeknallten Figuren. Und das funktioniert gut, wenn auch die mittlere Episode im Vergleich mit den anderen beiden nicht ganz mithalten kann. Die Geschichte der beiden Frauen lebt zu sehr von der finalen Elvis-Erscheinung und ist vorher ein wenig flach.
Ein großes Problem dieses Autoren-Films sind aber die Brüche zwischen den einzelnen Geschichten. Die sind grob und hart und können auch mit den dürftig eingestreuten inhaltlichen Überschneidungen nicht ausreichend gekittet werden. Es fehlt etwas, die Geschichten wirken nicht zu Ende erzählt. Die Episoden laufen oftmals zu sehr nebeneinander her.
"Mystery Train" kann seinen Macher nicht verleugnen, der Film ist purer Jim Jarmusch in seiner Reinform. Leider gibt es aber anstatt einer großen Geschichte nur drei kleine mit einem zu schwachen übergeordneten Thema. Wenn es nicht um Elvis geht, dann wird das Oberthema Memphis teilweise zu oberflächlich behandelt.

Fazit: 65 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen