16. August 2016

Planet der Stürme

© Icestorm

Regie: Pavel Klushantsev
Land / Jahr: Sowjetunion 1962












Die Reise zum Planeten Venus entwickelt sich völlig anders als erwartet: Auf der Venus gibt es bedrohliche Lebenwesen und riesige Ozeane. Mit Hilfe ihres Roboters John versuchen die Kosmonauten zu überleben und entdecken sogar Hinweise auf intelligentes Leben auf dem lebensfeindlichen Planeten.
Die Venus zählt mit seiner festen Erdkruste als einer der vier erdähnlichen Planeten in unserem Sonnensystem. Zudem ist die Venus nur minimal kleiner als die Erde und wird deswegen als ihr Schwesternplanet bezeichnet. Doch es gibt auch gravierende Unterschiede zwischen den beiden Himmelsgestirnen: Zum einen besteht die Atmosphäre der Venus zu 96 Prozent aus Kohlenstoffdioxid (CO²) und der Oberflächendruck ist 90 mal höher als auf der Erde. Außerdem beträgt die Durchschnittstemperatur auf der Venus 464 Grad Celsius.
Natürlich konnten die sowjetischen Filmemacher im Jahr 1962 noch nicht auf all diese wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückgreifen, aber der Science-Fiction-Film "Planet der Stürme" ist ein Zeitdokument dafür, wie naiv mitunter an solche Weltraum-Abenteuer herangegangen wurde (und wird). Manchmal so extrem, dass die Filme optisch Science-Fiction sein möchten, aber eigentlich schon in die Fantasy-Sparte gehören. Die Tempreratur auf der Venus würde Menschen kochen, der Oberflächendruck zerreißen und bei 464 Grad Celsius bleibt von Wasser noch nicht einmal Dampf übrig, geschweige denn Ozeane.
Kein Grund für US-Amerikaner, dem Irrsinn nicht noch eine dicke, fette Krone aufzusetzen. In den USA gibt es zwei Versionen von "Planet der Stürme", jeweils wurden extra nachgedrehte Szenen integriert. Die eine heißt "Voyage to the Prehistoric Planet" und ist von 1965, die andere hat einen noch viel absurderen Titel: "Voyage to the Planet of Prehistoric Women" bringt Frauen in Tierfellen als Bewohner der Venus.
Zu Gunsten des Entertainment-Faktors ist "Planet der Stürme" - der im Großen und Ganzen so ziemlich ohne jegliche Stürme auskommt - sehr straff geschnitten. Die sowjetische Originalfassung läuft gerade einmal 72 Minuten, kann aber über die volle Laufzeit bei Laune halten. Lediglich Mascha Iwanowa (Kjunna Ignatowa), die als einzige die Stellung im Orbit der Venus halten soll, ist eine nervige Figur. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Pavel Klushantsev den inneren Monolog als Stilmittel wählt, um sie ihre Gedanken mit dem Zuschauer teilen zu lassen.
Diese Science-Fiction-Produktion des Leningrader Studios für populärwissenschaftliche Filme bietet eine schlichte Handlung und ist gerade was wissenschaftliche Akkuratesse betrifft absolut ungenau. Das Abnehmen der Helme beispielsweise, was hier gezeigt wird, um eine Tablette zu schlucken, wäre der absolut sichere Tod für jeden Menschen - bleibt nur die Frage ob er zuerst verkohlt, erstickt oder zerfetzt wird. Dafür macht das Abenteuer auf dem Schwesternplanet Spaß, weil die Figuren und Roboter John bei ihren Erkundungen auf der Venus-Oberfläche so einiges erleben. Von einem Klassiker ist "Planet der Stürme" allerdings weit entfernt, dafür sind nicht nur inhaltliche, sondern auch technische Mittelmäßigkeit verantwortlich.

Fazit: 45 %

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