30. August 2016

Swades - Heimat

© Rapid Eye Movies

Regie: Ashutosh Gowariker
Land / Jahr: Indien 2004












Mohan Bhargava (Shah Rukh Khan) lebt seinen Traum in den USA: Er arbeitet an einem Wetter-Projekt für die Weltraumbehörde NASA und wird für seine hochqualitative Arbeit respektiert. Doch dann packt ihn das Heimweh und er will sein Tantchen (Kishori Balal) in einem kleinen indischen Dorf besuchen und in die Vereinigten Staaten mitnehmen.

Eine erfreuliche Ausnahme
Er kommt aus einem hoch-fortschrittlichen Land und wird in seiner oberflächlich primitiv wirkenden Heimat als "Auslands-Inder" bezeichnet: Mohan Bhargava muss lernen, dass die Wahrheit irgendwo zwischen den beiden Welten liegt. Und er gibt sich wirklich allerlei Mühe, um es allen Menschen, die ihm etwas bedeuten recht zu machen.
Eigentlich ist Shah Rukh Khan eher für kitschig-bunte Liebes-Komödien mit aufwändigen Tanzeinlagen bekannt, als für seriöse Dramen. Aber der hochkritische "Swades" ist eine erfreuliche Ausnahme in der Filmographie des indischen Mega-Stars. Da liegt einerseits an dem absolut seriösen Drehbuch wie auch an der konsequenten Regie.
Den Anfang macht eine Szene bei der NASA. In einer Pressekonferenz muss Mohan sein Projekt erklären. Das passiert nicht wischi-waschi und runtergebrochen für den letzten Idioten, sondern geerdet und glaubwürdig. Von da an ist der Kurs für die insgesamt 188 Minuten für diesen gesellschaftskritischen Film gesetzt. Doch trotz all der mitschwingenden Kritik ist die Grundstimmung überwiegend heiter und positiv, was "Swades" eine zusätzliche Leichtigkeit verleiht.
Angekommen in dem kleinen indischen Dörfchen Charanpur ist es für den Auslands-Inder so, als wäre er zurück durch die Zeit gereist. Der gebildete Mann gibt alles dafür, dass Kinder unterschiedlicher Kasten gemeinsam zur Schule gehen, dass auch arme Menschen etwas zu essen bekommen und dass das Dorf nicht immer wieder von Stromausfällen geplagt wird. Die Probleme in Indien werden offen, aber glücklicherweise nicht polemisch thematisiert.

Sing-Szenen ohne Mehrwert
Etwas Bollywood-Kitsch gibt es dann aber doch in "Swades": Eine kleine Romanze zwischen Mohan und der Dorflehrerin Gita (Gayatri Joshi) bahnt sich an, die glücklicherweise aber nicht zuviel Screentime einnimmt. Zudem gibt es eine Handvoll Gesangsszenen, die für ein Drama dieser Art vielleicht nicht wirklich passend, aber dennoch zu verkraften sind. Die Singereien hätte man aber getrost komplett aus dem Film schneiden können, da sie gar keinen Mehrwert liefern.
"Swades - Heimat" ist nach dem für den Auslands-Oscar-nominierten "Lagaan - Es war einmal in Indien" der zweite große Film von Regisseur Ashutosh Gowariker. Mutig und aufrichtig prangert er die Missstände in seiner Heimat an, ohne einen platten Bösewicht dafür an die Wand zu stellen. Ein wichtiger Film, der trotz seiner - für indische Filme übliche - monumentalen Laufzeit von 188 Minuten nie langweilig wird. Vielleicht Shah Rukh Khans bestes Werk in dessen umfangreicher Filmographie.

Fazit: 80 %

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