22. August 2016

Zug um Zug

© Alive

Regie: Elodie Namer
Land / Jahr: Frankreich 2015












Bei einem Schachturnier im ungarischen Budapest kann es nur einen Sieger geben: den französischen Meister Cal Fournier (Michelangelo Passaniti). Doch das stark aufspielende und unberechenbare neunjährige Schach-Talent Max Kovac (Adam Corbier) macht dem exzentrischen Champion das Leben schwer.
Cal Fournier und seine französischen Mannschaftskollegen sind eine Gruppe verwöhnter, kindischer Schach-Genies. Sie kennen keine Regeln, jeder Moment ist gut für eine absurde Wette. Direkt in der Anfangssequenz kommt Cal zu spät zum Turnierstart, schläft mermals ein, ist offensichtlich betrunken. Kein Wunder, schließlich hat er behauptet, das Eröffnungsspiel zu gewinnen, auch wenn er eine Flasche Tequila intus hat. Die Jungs denken, das wäre cool - beim Zuschauer kommt es nur als überheblich und unsympathisch an.
Aber es geht der Gruppe und Cal nicht darum zu gefallen. Sie wollen einfach nur Spaß haben, verrückte Dinge ausprobieren, aber das Gewinnen steht trotzdem an vorderster Stelle. So wechseln sich im Film Spieltage und nächtliche Exzesse immer wieder miteinander ab. Auch Liebesszenen werden immer mal wieder eingebaut.
Das alles in nur 83 Minuten Film. Und das tut dem Werk auch keineswegs gut. Die Mischung aus Party und Play funktioniert noch ganz gut, die Liebesszenen wirken unnötig. Regisseurin Elodie Namer wollte einfach zu viel und bringt ihr Schach-Drama damit immer wieder aus dem Gleichgewicht. Etwas mehr Stringenz wäre wünschenswert gewesen.
Den zweiten großen Makel gibt es in den Spielszenen. Die Schachspiele sind nur schwach dramatisiert, gerade im Finale wäre deutlich mehr drin gewesen. Gäbe es nicht immer wieder mal die Kommentatorenstimmen aus dem Off, dann würde der Zuschauer in vielen Momenten im Dunkeln gelassen. Manchmal geht es: zack, zack, zack und bis auf die Schachspieler weiß wohl kein Zuschauer - außer vielleicht passionierte Schachspieler -, was das gerade  auf der Leinwand passiert. Der Überblick geht einfach schnell verloren.
Immerhin gelingt es Namer mehrere extrem unterschiedliche Charaktere zu zeichnen, die allesamt nicht den üblichen Klischees entsprechen, sondern eigene Wege gehen - interessante, weil fast durchweg sehr exzentrische Figuren. Figuren, die jedesmal mit ihren Anarcho-Wetten ihre eigenen Grenzen und die ihrer Mitmenschen, sprich: die des Trainers, der Gegenspieler und der Sponsoren, neu ausloten.
"Zug um Zug" ist ein rebellischer Schachfilm, der von seinen extrovertierten, jungen Schachspielern lebt. Im Gegensatz zu den Figuren ist die Handlung aber nur dürftig ausgearbeitet und gerade in den Spielszenen kann sich die französische Regisseurin Elodie Namer von anderen "Sport"-Filmen noch einiges abgucken. Wenn der Film doch nur so gut durchdacht wäre wie das Schachspiel selbst.

Fazit: 60 %

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