8. September 2016

30. Fantasy Filmfest

Die teilnehmenden Kinos sind zur Festival-Zeit stets mit Postern, Bannern,
Plakaten und Aufstellern dekoriert. © Marc Friedrich

Zum mittlerweile 30. Mal findet an mehreren Standorten in ganz Deutschland Das Fantasy Filmfest statt. Ein Filmfestival das sich im Gegensatz zu anderen deutschen Festivals nicht dazu verschrien hat Arthaus zu präsentieren, sondern ganz im Gengenteil, dem fantastischen Film in allen seinen  Spielweisen verschrieben hat.
"Fantasy Filmfest" heißt es wahrscheinlich nur wegen der einprägsamen Alliteration, echte Fantasyfilme werden nur selten gezeigt, der Großteil des Programmes entführt den Zuschauer in ein wesentlich düstereres Genre: Wie dies diesjährigen Plakate zeigen steht generell der Horrorfilm im Fokus.
50 Filme werden an den diesmal sieben Standorten - Berlin, Nürnberg, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart und Hamburg - gezeigt. Einige Filme werden eingereicht, viele andere auf Festivals gescoutet. "Wir wollen Filme ins Kino bringen, die es sonst vielleicht nicht geschafft hätten", erklärt Max Krumm vom Orga-Team. Er ist einer der Mitarbeiter an der Fanbasis und reist von Standort zu Standort, um vor jedem Film dem Publikum eine kleine Anleitung zu geben. Wer genügend Nerd-Wissen mitbringt kann auch immer mal wieder etwas gewinnen. Denn vor einigen Filmen werden DVDs oder Blu-Rays verlost.

Ein neuer Wettbewerb bei dem das Publikum abstimmen darf
 
Vor jedem Film aus dem "Fresh Blood"-
Programm werden Stimmzettel verteilt. Die
Zuaschauer können nach dem Schulnoten-
System bewerten. © Marc Friedrich
Und nicht nur das Publikum kann Preise absahnen, auch die Filmemacher selbst können etwas gewinnen. In diesem Jahr gibt es sogar ein Novum: Neben dem bekannten "Fresh Blood"-Award, bei dem Debüt-  oder Zweitfilme von Regisseuren gegeneinander antreten, gibt es seit diesem Jahr einen Kurzfilmpreis. Neun kleine Filme buhlen im Programmpunkt "Get Shorty" um die Gunst der Zuschauer, schließlich stimmen die darüber ab, welcher Film gewinnt. Die 2000 Euro Preisgeld für den 1. Platz gehen an den Regisseur des jeweiligen Filmes, beim "Fresh Blood"-Award sind es 5000 Euro.
Gezeigt werden alle Filme in der Original-Sprache, "am liebsten ohne Untertitel", versichert Max Krumm. Sollte die Original-Sprache allerdings nicht Deutsch oder Englisch sein, dann gibt es die beim Entertainment-Publikum so verhassten Leseeinheiten - beim Festival-Publikum wird diese Politik aber dankend angenommen, schließlich geht es auch darum, die Filme in ihrer Echtheit zu erfahren. Eine kleine Ausnahme gibt es manchmal auch bei Filmen mit schwer verständlichem Englisch: "Wir haben beispielsweise australische Filme mit englischen Untertiteln, weil die sonst kaum verständlich sind", erklärt Max Krumm.

Der doppelte Daniel "Harry Potter" Radcliffe jagt Nazis und furzt als Leiche

Hat keine lange Haltbarkeitsdauer: Daniel
Radcliffes Figur in "Swiss Army Man" ist
von Anfang an tot. © Verleih
Wie vom Fantasy Filmfest zu erwarten, ist das Programm keineswegs Einheitsbrei, sondern extrem vielschichtig. Der Eröffnungsfilm beispielsweise ist einer der heitersten Beiträge des Festivals: "Swiss Army Man" erzählt eine Robinson-Crusoe-Geschichte, in der eben jener Gestrandeter nicht einen Freitag als Freund hat, sondern einen toten Daniel Radcliffe. Mitsamt der Leichte erlebt die von Paul Dano gespielte Hauptfigur einige Abenteuer.
Doch damit noch nicht genug vom "Harry Potter"-Star: Vor ein paar Jahren hätte noch niemand geglaubt, soviel Radcliffe beim Fantasy Filmfest zu sehen; diesmal gibt er sich gleich zweimal die Ehre und spielt in dem Thriller "Imperium" einen FBI-Agenten, der undercover im US-amerikanischen Neonazi-Milieu ermittelt.
Von indischen Serienkillern in "Psycho Raman", über "The Girl with all the Gifts", einem hochbudgetierten post-apokalypstischen Zombiefilm bis hin zu einem - wenig überraschend - durchgeknallten Beitrag von Takashi Miike, der sich mit "Terra Formers" mal am Science-Fiction-Genre versucht, wird wie immer jede Menge Abwechslung geboten.
Kann auch mit fast 60 Jahren
noch richtig hart zupacken:
Actionstar Dolph Lundgren
in "Don't kill it". © Verleih
Eine unheilige Allianz ging auch der Ex-Universal-Soldier und hochbegabte Skandinavier Dolph Lundgren ein, der sich mit dem kompromisslosen Trashfilmer Mike Mendez zusammen tat. In "Don't kill it" schickt Mendez den Lundgren als Dämonenjäger in eine US-Kleinstadt. Das ist nicht nur knallharte Action, sondern auch noch extrem ironisch, weil sich die beiden Kino-Veteranen gegenseitig nicht besonders ernst nehmen.
Da alle Festival-Beiträge lange vor einer Kino- oder Heimkino-Auswertung gezeigt weden und somit noch nicht FSK-geprüft sind, sind alle Vorstelllungen ausschließlich für erwachsene Zuschauer zugänglich. Wer sich aber ein wenig mit dem Fantasy Filmfest auskennt, der weiß, dass die Quote an Filmen, die jugendfrei sind, ohnehin arg gering ist - und genau dafür lieben Fans und Nerds diese Auswahl an Meister- und Machwerken, die man sonst vielleicht nie wieder auf einer großen Leinwand zu sehen bekommt.

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