12. September 2016

Imperium

© Ascot Elite

Regie: Daniel Ragussis
Land / Jahr: USA 2016












Die Möglichkeit undercover in der US-amerikanischen Neonazi-Szene zu ermitteln kommt für Nate Foster (Daniel Radcliffe) wie gerufen: der junge FBI-Agent will in seinem Job Großes bewirken. Schnell knüpft er Kontakte unter jungen Aktivisten, Internet-Publizisten und religiösen Rassisten, stets auf der Suche nach dem großen Attentat.

Dem rechten Terror auf der Spur
Filme über organisierten Rassismus der Gegenwart sind keine Alltagskost, doch viele dieser mutigen Werke haben es zu echten Filmklassikern gebracht, "American History X" (1998) ist ein äußerst intelligenter und spannender Beitrag zu diesem Subgenre, auch der kontroverse "Romper Stomper" (1992), der Russell Crowe zum Durchbruch verhalf, bietet einen einzigartigen Blick in eine wenig bekannte Subkultur. Ein adäquater Spielfilm-Beitrag zum Ku-Klux-Klan wurde bis heute nicht gedreht, vom zeitgenössisch problematischen "The Birth of a Nation" (1915) mal abgesehen.
Daniel Ragussis' Thriller "Imperium" versucht sich von diesen Gang-orientierten Skindhead-Geschichten abzusetzen, indem der Film in die Tiefe gehen und gleich mehrere Neonazi-Gruppierungen abbilden will. Schließlich glaubt und hofft FBI-Agent Nate Foster, dass da mehr unter der Oberfläche sein muss, als eine Ideologie. Er ist sich sicher, dem rechten Terrorismus auf die Spur zu kommen.
Genau da liegt das größte Problem von Ragussis'  eigentlich interessantem Film: Nate läuft oft ins Leere, demaskiert Führer-treue Nazis als clevere Geschäftsmänner, die jungen Radikalen entpuppen sich lediglich als passive Rassisten. Selbst die Nazi-Christen, die gerne mal mit automatischen Maschinengewehren rumballern, haben keinerlei Ambitionen sich tatkräftig für ihre Ideologie einzusetzen. Und kurz vor dem Finale scheint es als wenn Ragussis mit leeren Händen vor dem Zuschauer stehen würde - doch dann zieht er schnell noch einmal eine echte Gefahrenlage aus dem Hut.

Lucky Strike
Das wirkt, wie so vieles in "Imperium" leider arg konstruiert und zwanghaft ins Drehbuch geschrieben. Das spektakuläre Finale ist nicht nur oberflächlich und unglaubwürdig, sondern beinhaltet auch kaum Spannung, da nicht konsequent darauf hin erzählt wurde. Aus der cleveren Ermittlung wird so schnell ein Zufallstreffer in einem bestenfalls halbherzigen Finale.
Während "Imperium" als Thriller nicht viel taugt, so ist er als Drama doch äußerst interessant. Schließlich wurde gut recherchiert und es gibt eine Menge spannender Einblicke in verschiedene Facetten der Neonazi-Szene. Zudem gefällt Daniel Radcliffe, der sich so langsam von seiner "Harry Potter"-Rolle ablöst und zu einem ernsthaften Schauspieler wird.

Fazit: 60 %

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