27. September 2016

Operation Eastern Condors

© Eyecatcher

Regie: Sammo Kam-Bo Hung
Land / Jahr: Hongkong 1987












Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von asiatischen Gefangenen in einem US-Gefängnis wird auf eine tödlich Mission in den Vietnam-Krieg geschickt: Ihr Auftrag lautet, eine Raketen-Basis zu suchen und zu vernichten. Dabei muss die Truppe sich ihren Weg quer durch ein von Feinden durchzogenes Land machen.

Eine Quelle für Tarantino
US-Filme über den Vietnam-Krieg gibt es haufenweise, aus anderen Ländern gibt es kaum Kino-Geschichten zu diesem düsteren Kapitel der US-amerikanischen Historie. "Operation Eastern Condors" ist eine äußerst interessante Ausnahme, sticht der Actionfilm doch in mehreren Aspekten aus der breiten Masse hervor.
Die Truppe, für die der Tod wahrscheinlicher als das Leben ist, scheint eine der wichtigsten Quellen für Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" zu sein. Die Männer und Damen, die Sammo Hung, der hier nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch noch als Regisseur tätig war, in den Krieg schickt sind echte Bastarde: Sie haben immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, alle ein großes Ego und scheuen nicht davor, ihre Interessen mit krasser Gewalt durchzusetzen.
Doch trotz der stellenweise sehr skrupellosen und deftigen Schießereien und Prügeleien mit jede Menge blutverschmierten Klingen, hat der Film eine unerwartet heitere Stimmung. "Operation Eastern Condors" wirkt mehr wie ein Bud-Spencer-und-Terrence-Hill-Abenteuer als wie ein knallharter Hongkong-Actioner. Die Sprüche machen Spaß, passen gut zu den Figuren und werden in einem höllischen Tempo auf den Zuschauer abgelassen.

Spektakel mit der Zeitlupe
Das Tempo von fast allem in diesem Film ist extrem hoch. Die Action sowieso, aber auch die Dialoge vergeuden keine Sekunde. Aber es gibt leider auch eine Fülle von Szenen, in denen das Spektakel mit Zeitlupenmomenten noch vergrößert werden soll. Gerade hier ist das Gegenteil der Fall: Anstatt der erhofften Aha-Effektes bei waghalsigen Stunts, nerven diese Momente eher. Gerade aus dem Grund, dass kaum eine Action-Sequenz ohne mindestens einen Zeitlupen-Einstellung auskommt.
Dieser Tarantino-Vorbote macht riesigen Spaß. "Operation Eastern Condors" ist mit einer sagenhaften Fülle an guten Ideen angereichert, bietet ebenso viele interessante Figuren, einen geisteskranken Antagonisten und ohne Ende guter Sprüche. Langeweile kommt nicht auf, lediglich die andauernden Zeitlupen-Einstellungen halten den Film etwas auf. Und natürlich kann argumentiert werden, dass "Operation Eastern Condors" moralisch auf einfach allen Ebenen ziemlich fragwürdig ist - für seichte Gemüter ist dieser Hongkong-Vietnamfilm mit Sicherheit nicht die richtige Wahl. Sammo Hungs vielleicht bester Film als Regisseur.

Fazit: 75 %

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