19. September 2016

Psycho Raman

© Rapid Eye

Regie: Anurag Kashyap
Land / Jahr: Indien 2016












Ramannas (Nawazuddin Siddiqui) großes Vorbild ist der Serienmörder Raman Raghav, der in den 60er Jahren 23 Menschen getötet haben soll. Wie sein Idol, so tötet Ramanna aus purer Langeweile und gibt damit noch bei der Polizei an - die ihm aber nicht glaubt. Der durchgeknallte Cop Raghavan (Vicky Kaushal) setzt allerdings alles daran, Ramanna zu fassen.

Verwirrung um den Titel
In Deutschland erschien dieser Serienkiller-Beitrag aus Indien unter dem Titel "Psycho Raman". Der indische Titel hätte hierzulande mutmaßlich zu viel Verwirrung geführt: "Raman Raghhav 2.0" heißt der Film im Original. Damit möchte Regisseur Anurag Kashyap aber keineswegs sagen, dass es sich um einen zweiten Teil handelt, sondern, dass die Hauptfigur wie eine moderne Version eines klassischen Serienmörders ist.
Fairerweise wird direkt zu Beginn von "Psycho Raman" per Texttafel gesagt, dass nicht die Geschichte des echten Psycho Raman Raman Raghav erzählt wird, der tatsächlich im Indien der 60er Jahre das Messer schwang. Dann geht es direkt los in den Ghettos von Mumbai: Ramanna nimmt sich, was er will und bringt wahllos Menschen um. Eines der acht Kapitel handelt sogar davon, dass er der Polizei von seinen Taten erzählt, dafür aber nur verkloppt wird - den Äußerungen gehen die Beamten nicht nach, weil sie ihn für einen irren Lügner halten.
Und irre sieht Ramanna wirklich aus. Hauptdarsteller Nawazuddin Siddiqui sieht aus, als hätte er jede Menge Drogen und nur wenig Schlaf während der Drehtage gehabt. Seine Augen sind rötlich und aufgequollen, seine Haut blass. Dreimal musste Siddiqui während der Dreharbeiten ins Krankenhaus gebracht werden. Dabei hat seine Figur nicht einmal ansatzweise so viel Koks in den Adern wie der Polizist Raghavan.
Letzterer wird trotz seiner beruflichen Erfolge selber als gesellschaftlicher Outsider dargestellt. Er bekommt nahezu gar keinen Schlaf, trägt immer eine Sonnenbrille, selbst in dunklen Räumen. Sein Lebensstil wird kritisiert, auch weil er Frauen wie Müll behandelt. Deutlich macht das ein Besuch bei seinem Vater, der um den guten Ruf der Familie bangt.

Lieber nur sechs Kapitel
Die Figuren sind allesamt sehr gut gespielt und trotz ihrer Extravaganz glaubwürdig. Es macht kaum einen Unterschied, ob ein Kapitel dem Serienkiller folgt oder dem gefallenen Polizisten. Wenn die Anzahl der Kapitel doch bloß nicht so hoch wäre. Während indische Filme sonst eher den Hang haben, drei Stunden Laufzeit voll zu machen, so begnügt sich "Psycho Raman" damit, "nur" 127 Minuten zu laufen. Das ist allerdings dennoch ein gutes Stück zu lang, gerade die letzten beiden Kapitel ziehen sich. Sechs anstatt acht Kapitel wären wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen.
Vom Skandalfaktor ist "Psycho Raman" übrigens nicht mit westlichen Maßsstäben zu betrachten. Für indische Verhältnisse ist das schon ein extremer Film, auch wenn die meisten Gewalttaten im Off passieren und der Zuschauer für gewöhnlich nur die Ergebnisse geliefert bekommt. Anstatt bunter Tanzeinlagen von fröhlichen Menschen gibt es hier düstere Geheimnisse von bösartigen Menschen.
Dieser indische Hochglanz-Serienmörder-Film ist gut geschrieben und inszeniert und lebt vor allem von seinen geisteskranken Figuren. Glanzstück sind auf jeden Fall die beiden Hauptdarsteller, die dem Film seine gewisse beklemmende Atmosphäre verleihen. Zwar gibt es kaum Onscreen-Splatter, aber das macht "Psycho Raman" wieder mit seiner Stimmung wieder wett. Wäre er doch an vielen Stellen nicht zu lang geraten und etwas straffer geschnitten, dann hätte dies ein ausgezeichneter Serienkiller-Film werden können. So ist "Psycho Raman" nur ganz ordentlich.

Fazit: 65 %

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