25. September 2016

Tschick

© StudioCanal

Regie: Fatih Akin
Land / Jahr: Deutschland 2016












Bonzenjunge Maik (Tristan Göbel) hat keine Freunde und ist ein Einzelgänger. Der neue Mitschüler, den alle aufgrund seines komplizierten Namens nur Tschick (Anand Batbileg) nennen, ist ebenfalls totaler Außenseiter. Als die beiden ungleichen 14-Jährigen sich anfreunden machen sie sich in einem geklauten Auto auf die Reise ihres Lebens.

Einer der interessantesten deutschen Filmemacher
Der exzentrische, verstorbene Autor Wolfgang Herrndorf hat mit seinem Jugendroman "Tschick" ein außergewöhnliches Werk geschaffen. Welcher Regisseur könnte da passender für eine Kino-Adaption sein als Faith Akin, einer der interessantesten deutschen Filmemacher der Gegenwart, der sich mit seinem Schaffen deutlich von anderen Filmemachern des Landes abgrenzt. Eine verheißungsvolle Mischung also.
Wie auch im Buch fokussiert sich Akin auf die beiden Hauptfiguren, die gar nicht den üblichen Klischees entsprechen. Maiks Eltern haben Kohle ohne Ende, aber damit wird er nur ganz selten stigmatisiert - wie Herrndorf, stellt auch Akin ihn als ganz normalen Jungen dar. Tschick ist nach eigener Aussage "jüdischer Zigeuner" und zudem homosexuell. Auch hier gibt es keine Klischees, auch er wird als ganz normaler Jugendlicher gezeigt. Dreck haben sie beide am Stecken, allerdings in einem lausbubenhaften Verhältnis.
Aber so sehr sich auch Tristan Göbel und Anand Batbileg bemühen, vollends können sie in ihren Rollen nicht überzeugen. Irgendwas fehlt bei ihrer und Akins Interpretation der hervorragenden Figuren aus dem Roman. Zwar sind ihre Figuren auch im Film witzig und sympathisch, aber über das Prädikat "gut" kommen sie nicht hinaus. Die meisten Sprüche funktionieren zwar, aber ein paar wirken leider auch erzwungen.

Verlust des eigenen Stils
Und Akins Bildsprache enthält zwar Spuren von Akin, ist aber nicht so eindeutig dem Vorzeigefilmmacher zuzuschreiben. Es könnte vielleicht Absicht sein, aber seit dem Vorgängerfilm "The Cut" (2014) scheint Akin langsam seinen Stil zu verlieren. Nicht, dass es in "Tschick" nicht viele künstlerische Impulse gebe, aber einige wirken mitunter sehr konventionell.
Gute und sehr gute Filme hat Akin schon einige gemacht, unter seinen Werken befindet sich aber auch ein fantastischer Beitrag mit "Gegen die Wand" (2004). Letzterer wird wohl immer sein Ausnahmefilm bleiben, denn auch "Tschick" reiht sich bei den guten und sehr guten Filmen wie "Soul Kitchen" (2009) oder "Solino" (2002) ein. Diese Jugendromanadaption hat ihre Reize, ist aber weder ein echter Akin, noch ganz großes Kino. Das liegt vor allem daran, dass die Sprüche und Sichtweisen der Pubertierenden im Buch wesentlich besser rüberkommen.

Fazit: 70 %

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