17. September 2016

Under the Shadow

© Wigwam Films

Regie: Babak Anvari
Land / Jahr: Iran, Katar, Jordanien, Großbritannien 2016












Teheran in den 80er Jahren: Shideh (Narges Rashidi) lebt mit ihrem Mann Iraj (Bobby Naderi) und ihrer Tochter Dorsa (Avin Manshadi) in der iranischen Hauptstadt. Permanent ist Teheran unter Beschuss des irakischen Militärs, doch das ist nicht das einzige Problem: Ein Djinn will Besitz von Dorsa ergreifen.

Iranischer Arthaus
Dämonen-Horror aus dem Iran ist definitiv keine alltägliche Geschichte, für gewöhnlich erregt das muslimische Land mit ausgezeichneten Dramen die Aufmerksamkeit im Westen. Asghar Farhadi, Majid Majidi, Mohsen Makhmalbaf und Abbas Kiarostami begeistern mit ihren Arthaus-Werken immer wieder die Kritiker. Aber einen gelungenen Horrorfilm aus dem Iran hat es noch nicht gegeben.
Lange Zeit macht auch Regisseur Babak Anvari nicht den Eindruck, als wolle er die Zuschauer schocken. Bis er den Djinn auf Mutter und Tochter loslässt, ist einige Screentime vergangen. Das ist aber alles andere als langweilig: Die Darstellung des Irans in den 80er Jahren ist überaus interessant. Anvari zeigt ein Land zwischen Krieg, fundamentalistischen religiösen Konventionen und westlichen Einflüssen - der Videorekorder fungiert als Bindeglied zwischen den Kulturen und wenn Mutter Shideh etwas liebt, dann ist es ihr Aerobic-Video mit Jane Fonda. Nach einer halben Stunde ohne Djinn wünscht man sich fast schon, dass Anvari im Drama bleibt.
Als der Vater Iraj dann in den Krieg abgezogen wird, kommt aber doch der Dämon zum Zug. Ganz perfide schleicht sich der Djinn in die Wohnung - man sieht ihn so gut wie gar nicht - und manipuliert die kleine Dorsa. Die Atmosphäre ist bis dahin aufgrund des Krieges schon wenig heiter und bekommt noch einen düstereren Dreh.

Ein höllisches Gemälde
Richtige Schockmomente sind in "Under the Shadow" aber seltener als echte Demokratie im Iran. Lediglich im Finale versucht der Djinn der Mutter ernsthaft nach dem Leben zu trachten. Es gibt aber eine Einstellung mit der besessenen Dorsa, die überaus gelungen ist und ein wenig wie ein infernales Gemälde anmutet.
Horror light, Drama pur: "Under the Shadow" ist stilvoll und hochwertig, allerdings hätte Regisseur Babak Anvari vielleicht einen Film ganz ohne Djinn drehen sollen. Als reines Drama hätte dieser iranische Beitrag wahrscheinlich noch viel besser funktioniert, an vielen Stellen lässt sich vermuten, was möglich gewesen wäre. Die leichte Systemkritik kommt wunderbar an, ohne sich aufzudrängen. Anvari sollte sich noch einmal an einem Drama über den Iran in den 80ern versuchen.

Fazit: 60 %

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