28. September 2016

Woodlawn

© Sony

Regie: Andrew Erwin, Jon Erwin
Land / Jahr: USA 2015












Birmingham, Alabama ist 1973 nicht gerade ein Ort der Glückseeligkeit: In der Südstaaten-Stadt wird die Rassentrennung noch ernst genommen. Als dann weiße und schwarze Schüler an einer Highschool zusammengeführt werden und nicht nur zusammen lernen, sondern auch noch zusammen Football spielen sollen, strapaziert das die Nerven beider Seiten.

Hobbit-Psychologie
"Woodlawn" erzählt die Geschichte von Tony Nathan (Caleb Castille), dem ersten schwarzen Footballspieler an der gleichnamigen Highschool in Alabama. Nathan hat sogar noch den Sprung in die NFL geschafft, der Film konzentriert sich aber zu größten Teilen auf seine Anfänge in einer äußerst turbulenten Zeit.
Damals die weißen und die schwarzen Schüler nicht nur gemeinsam zu unterrichten, sondern mit demselben Trikot für das gleiche Team auflaufen zu lassen, birgt eine Menge Konflikpotenzial. Aber Moment einmal, was macht denn Sean "Samweis Gamdschie" Astin in diesem Film? Er spielt einen Sportpsychlogen-Schrägstrich-Prediger, der versucht mit der Hilfe Gottes das Team zu vereinen.
Und das ist nicht nur ein Nebenaspekt des Filmes, sondern verdrängt immer mehr die Rassen-Konflikte und wird zur zentralen Message: Mit der Hilfe Gottes kann man jeden Gegner besiegen. Vor allem im finalen Drittel von "Woodlawn" nimmt das mitunter missionarische Grundzüge an und gipfelt in einer tatsächlichen, echten Einladung zu einem großen christlichen Stadion-Event. Das ist, gelinde gesagt, schon sehr befremdlich.

Serien-Trainer
Positiv ist aber anzumerken, dass dieser christliche Gedanke auch besonders sportlich rüberkommt. Während es in anderen Sportfilmen darum geht, einen (meist unbezwingbaren und übermächtigen) Gegner zu besiegen, so wird hier viel Wert auf ein Miteinander gelegt. Sicherlich gibt es Rivalitäten, die aber den Sportplatz nahezu nie verlassen. Die beiden Erzfeinde veranstalten sogar ein gemeinsames Trainingscamp. Das trifft natürlich genau den Gedanken des Sports.
Angelina Jolies Vater Jon Voight scheint mitunter ein Geschicht zu haben, das Amerikaner an Trainerlegenden erinnert. Denn nachdem er den Basketball-Trainer Adolph Rupp in "Spiel auf Sieg" verkörperte, darf er hier erneut einen unvergesslichen Coach mimen: Paul Bryant, der 25 Jahre lang der Cheftrainer der Football-Mannschaft der University of Alabama war.
"Woodlawn" ist ein gutherziges und unterhaltsames Stück Sportgeschichte mit einem merkwürdigen und ungewohnten, offensiv-christlichen Touch. Die 70er Jahre werden hier sehr glaubwürdig und aufwändig wieder zum Leben erweckt, die Sportszenen sind gut inszeniert und bestens im Film verteilt - nicht zu viel, nicht zu wenig. Doch keine der vielen gelungenen Szenen kommt auch nur in die Nähe davon sehr gut, geschweige denn großartig zu sein.

Fazit: 60 %

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