18. Oktober 2016

Don't Breathe

© Sony

Regie: Fede Alvarez
Land / Jahr: USA 2016












Eigentlich hat es die Einbrecherbande um Rocky (Jane Levy), Alex (Dylan Minnette) und Money (Daniel Zovatto) nicht auf Bares abgesehen, aber als sie einen Tipp bekommen, dass ein alleinlebender Blinder 300.000 Dollar zu Hause horten soll, wollen sie ihre Chance nutzen. Doch der harmlos wirkende Mann hat ein düsteres Geheimnis und ist als Kriegsveteran zudem kampferfahren.

Invertiertes Thema
Regisseur Fede Alvarez hat sich direkt mit seinem gewagten Erstling einen Namen gemacht: Er versuchte sich an einem Remake des Horrorklassikers "Tanz der Teufel". Qualitativ kann die neue Version zwar nicht mit Sam Raimis Original mithalten, dafür hat der Uruguayer kräftig an der Splatterschraube gedreht und lässt ordentlich Blut fließen.
In seinem zweiten Genrebeitrag geht Alvarez  in eine ganz andere Richtung: Die Idee und das Drehbuch sind Eigenkreationen, diesmal geht es ihm nicht darum, einen möglichst blutigen Film zu schaffen. Und auch die übernatürlichen Elemente fallen diesmal völlig weg: "Don't Breathe" spielt (glücklicherweise) konsequent in der realen Welt.
Es dauert nicht lange, bis die Teeni-Einbrecher zu ihrem großen Clou aufbrechen. Das Konzept ist dabei eine invertierte Version des Home-Invasion-Themas. Denn normalerweise geht es bei Home-Invasion-Horrorfilmen darum, dass die Helden in ihren eigenen vier Wänden terrorisiert werden, hier sind sie selbst die Home-Invader und es dauert nicht lange, bis es ihr größter Herzenswunsch ist, das Haus des Blinden Mannes wieder zu verlassen. 

Keinerlei Entspannungsphasen
"Don't Breathe" lebt von seinem souveränen Drehbuch. Der Film ist mal wieder ein Beispiel dafür, wie toll schlichte Filme sind, die eine wasserdichte Struktur haben. Die Wendungen sind glaubwürdig und logisch; es gibt gute Gründe, warum die Junior-Einsteiger nicht einfach zur Tür hinauswandern und die eine oder andere Überraschung kann schockieren. Zusätzlich wird größtenteils auf billige Jump-Scares verzichtet und die vorhandenen haben wenigstens eine narrative Existenzberechtigung.
Der Film macht richtig viel Spaß, weil Alvarez nicht lange fackelt und das Gaspedal vom Start an komplett durchtritt. "Don't Breathe" ist so lang wie gerade nötig und verdammt straff geschnitten. Und was natürlich toll ist für die Mischung aus Horror und Thriller: Es gibt Schockmomente in Hülle und Fülle - Alvarez hat keinerlei Interesse daran, dem Zuschauer Entspannungsphasen zu gönnen.
Kompromisslos und konsequent: "Don't Breathe" ist der zweite gute Horror-Beitrag von Fede Alvarez, der diesmal beweist, dass er nicht nur remaken, sondern auch eigene Stoffe kreieren kann. Selten gab es einen Horror-Thriller mit einem derart hohen Tempo. Die Idee mit dem blinden Antagonisten liefert zudem einige kreative Momente. Für Genrefans unverzichtbar, gute Nerven sollte aber jeder Zuschauer mitbringen.

Fazit: 70 %

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