20. Oktober 2016

Freigabe 18+: Die 25 besten Filme dieses Jahrtausends

Gute Filme mit einer Freigabe höher als ab 16 Jahren gibt es größtenteils nicht. Die meisten Verleiher wollen lieber das dicke Geld machen, da ist eine Freigabe ab 18 Jahren (oder höher) nicht gerade dienlich. Freigabe-Siegel wie "Freigegeben ab 18 Jahren", "Keine Jugendfreigabe", "SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich" oder "juristisch geprüft" sind für gewöhnlich ein Stigmata und sind ein Vorbote für schlechte Filmunterhaltung. Ein paar absolut sehenswerte Ausnahmen gibt es aber doch hin und wieder.
Diese Liste enthält die 25 besten Filme dieses Jahrtausends, die in Deutschland mindestens eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten haben.
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25. Drive, USA 2011, Nicolas Winding Refn
© Universum
 

Handlung: Er ist ein absoluter Profi, deswegen kennt niemand seinen Namen: Der "Driver" (Ryan Gosling) fährt den Fluchtwagen. Als er Irene (Cary Mulligan) kennenlernt, zeigt der Berufskriminelle Herz. Er will der jungen Mutter helfen. Doch die Vergangenheit ihres kürzlich aus der Haft freigelassenen Mannes, trachtet auch dem Driver nach dem Leben.

Fazit: Nicolas Winding Refn hat sich dieses Werk hart erarbeitet: "Bronson" und die "Pusher"-Trilogie haben die Produzenten überzeugt, dem Dänen 15 Millionen Dollar und eine Handvoll Hollywood-Stars zu überlassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: "Drive" ist eine knallharte Mischung aus Drama und Thriller mit tollem Stil und einer ordentlichen Prise Arthaus. Ein Beweis dafür, dass Gewalt und Kunst zusammenpassen - wenn der Regisseur das kann.

Fassung und Zensur: "Drive" ist keine große Gewaltorgie: 56 Sekunden mussten für eine Freigabe ab 16 Jahren herausgeschnitten werden. Diese 56 Sekunden haben es dann aber in sich, vor allem weil der "Driver" konsequent ist und nicht lange fackelt. So braucht er lediglich einen Hammer, um dem Zuschauer Hand-Mett zu kredenzen. Macht er aber nicht oft. Die Ab-18-Version ist ohne Indizierung ungekürzt.
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24. Ip Man 2, Hongkong 2010, Wilson Yip
© Splendid
 

Handlung: Nach der Flucht vor dem Krieg findet der Großmeister Ip Man (Donnie Yen) mit seiner Familie in Hongkong ein neues Zuhause. Dort unterrichtet er nun auch Schüler, was bei den örtlichen Kampfschulen nicht gerne gesehen wird.

Fazit: Auch das Sequel der Reihe ruht sich nicht auf dem Erfolg des Originals aus, sondern erzählt die Lebensgeschichte eines der berühmtesten Martial-Arts-Kämpfers der Geschichte weiter. Wilson Yip inszeniert mit einer Leichtigkeit, als wäre zwischen den beiden Filmen nur eine Drehpause von ein paar Tagen gewesen. Großartig.

Fassung und Zensur: Ebenso wie Teil eins ist es ein Witz, dass der Film in seiner ungekürzten Fassung das Siegel "Keine Jugendfreigabe" in Deutschland trägt. Großbritannien und Südkorea geben den Film beispielsweise ab 15 Jahren frei, in Japan ist er komplett ohne Altersbeschränkung freigegeben - sprich: ab null.
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23. Inside a Skinhead - The Believer, USA 2001, Henry Bean
© Capelight
 

Handlung: Danny Balint (Ryan Gosling) trägt ein Hakenkreuz-T-Shirt, zögert nicht mit dem Hitlergruß und genießt auch beim Ku-Klux-Klan immer mehr ansehen. Dabei darf keiner wissen, dass Danny eigentlich Jude ist. Ein New-York-Times-Reporter ist ihm jedoch auf die Schliche gekommen und konfrontiert ihn mit seinen gefährlichen Informationen.

Fazit: "Inside a Skinhead" ist ein mitunter schwer zugängliches, aber einzigartiges Werk, das es dem Zuschauer nicht leicht macht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, obwohl die Unterschiede bei der Thematik eigentlich ziemlich deutlich sein sollten. Ein früher Ryan Gosling zeigt hier eine sehr gute Performance als von Hass besessener Antisemit.

Fassung und Zensur: Die Freigabe ab 18 Jahren resultiert hier nur aus den verschwimmenden Grenzen zwischen Richtig und Falsch, die es gerade jungen Menschen sehr schwer machen können, den Film so aufzunehmen wie er gemeint ist. Den Zensoren wäre es lieber gewesen, bei einem so derben Thema einen echten Bösewicht zu haben. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Skinhead-Film zum Sprungbrett für einen Hollywood-Star wird: Russell Crowe brillierte schon 1992 in "Romper Stomper" und auch der hatte aufgrund seiner permanenten Darstellung von Nazi-Symbolik und rechter Musik in Deutschland arge Probleme mit der Zensur und landete auf dem Index.
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22. Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt, Frankreich/Italien/Kanada 2008, Jean-Francois Richet
© Universum

Handlung: Jacques Mesrine (Vincent Cassel) ist ein Verbrecher, der sich mit seinen kompromisslosen Morden binnen kürzester Zeit zum Staatsfeind Nummer eins mausert. Mord, Raub, Zuhälterei - doch aufgrund seiner Fähigkeit sich zu verkleiden und maskieren kommen ihm die französischen Fahnder nicht auf die Spur.

Fazit: In zwei Teile wurde die Biographie des vielleicht berüchtigtsten Gangsters Frankreichs geteilt, waren die knapp vier Stunden Laufzeit ansonsten doch kaum einem Zuschauer zumutbar. Optisch beeindruckend zeigt der Film perfekt das Frankreich der 60er und 70er Jahre, ein überzeugend diabolischer Vincent Cassel in Bestform rundet das Gesamtbild ab. 

Fassung und Zensur: Eigentlich sind beide Teile der Biographie nahezu gleich gut, allerdings schafft es nur die erste Hälfte der Gangster-Story auf diese Liste - denn Teil zwei ist nicht ganz so gewalttätig und damit "nur" ab 16 Jahren freigegeben. Teil eins ist aber in der Fassung ab 18 Jahren unzensiert auf DVD erhältlich.
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21. John Rambo, USA 2010, Sylvester Stallone
 
© Warner
 
Handlung: Eine Gruppe Missionare bittet den Einzelkämpfer John Rambo (Sylvester Stallone) sie bei der Befreiung von ehrenamtlichen Helfern im Dschungel von Burma zu unterstützen. Da der Staat jedoch von einer Militärjunta regiert wird, muss Rambo zu martialischen Mitteln greifen.

Fazit: Der vierte Teil der "Rambo"-Reihe enstand über 20 Jahre nach dem dritten und ist eine äußerst gelungene Mischung zwischen dem Actionkino der 80er und dem modernen Ballerfilm. "John Rambo" ist pure Action, ohne jegliche Nebenhandlungsstränge und ohne komödiantische oder romantische Momente. Einmal das Gaspedal durchgetreten, wird der Film zu keinem Zeitpunkt wieder verlangsamt. Ein knallhartes Beispiel wie ein Unterhaltungsfilm für erwachsene Zuschauer auszusehen hat. Schade, dass Stallone wohl nicht mehr in einem fünften Teil zurückkehren wird.

Fassung und Zensur: Sieben Filmminuten fehlen in der stark gekürzten FSK-16-Version dieses überaus blutrünstigen "Rambo"-Teiles, doch selbst die FSK-18-Fassung ist um zwei Minuten und sechs Sekunden zensiert. Und wer sich noch erinnert, dass die Kinofassung länger war: Selbst da hat eine Minute gefehlt. Szenen in denen Rambo einen Gegner am Hals hochhebt und ihm den Kehlkopf rausreißt kamen irgendwie nicht gut an bei der Zensurbehörde. Lediglich die Fassung mit der Freigabe "Spio JK: Keine schwere Jugendgefährdung" ist unzensiert. Zudem existiert eine "Extended Version", die allerdings etwas mehr Handlung und nicht mehr Gewalt enthält.
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20. A History of Violence, USA 2005, David Cronenberg
© Warner

 

Handlung: Familienvater Tom Stall (Viggo Mortensen) wird zum großen Helden einer kleinen Stadt als er in Notwehr zwei Gangster zur Strecke bringt. Während Tom sein eigentlich ruhiges Leben fortführen will, hat Gangsterboss Carl Fogarty (Ed Harris) das Bedürfnis ihn für seine Tat zur Rechenschaft zu bringen.

Fazit: Bis zu diesem Film war der Kanadier David Cronenberg eigentlich eher ein Mann für fleischig-körperliche Horrorfilme, mit "A History of Violence" wagt er erste Schritte im Thriller-Genre. Der Film ist stellenweise so ruhig, dass er schon als normales Drama durchgehen würde, dann explodiert aber für ein paar Sekunden die Gewalt - und das ziemlich clever.

Fassung und Zensur: Würde man die Gewaltszenen aneinander schneiden, dann würde das Material nicht einmal reichen, um ein Musikvideo zu untermalen. Allerdings wird eine Schusswunde hier keineswegs beschönigend, sondern lieber etwas deftiger in Szene gesetzt. Geringe Gewaltquantität plus hohe Gewaltqualität resultieren in einer gerechten Freigabe ab 18 Jahren für die unzensierte Fassung.
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19. New World - Zwischen den Fronten, Südkorea 2013, Park Hoon-jeong
© MFA Filmdistribution

 

Handlung: Ein Undercover-Cop soll dem Krieg zwischen einer Verbrecherorganisation und der Polizei ein Ende setzen als der Boss von "Goldmoon" stirbt. Doch er verliert völlig die Kontrolle über seinen Einsatz, als er zwischen die Fronten der Nachfolger auf den Thron der Organisation gerät.
 

Fazit: Regisseur und Drehbuchautor Park Hoon-jung, der auch schon das Buch zu "I saw the Devil" schrieb, scheint genau der richtige Mann für Filme dieser Art, setzt er doch auf brachiale Gewalt, die er mit einer sehr intelligenten Geschichte und zahlreichen Figuren mischt. Das gibt ihm natürlich auch immer die Möglichkeit eine oder zwei seiner Schachfiguren zu opfern und hält somit stets die Spannung oben.

Fassung und Zensur: Wie hungrige Bluthunde lässt Park Hoon-jeong seine Figuren aufeinander los und lässt sie vorzugsweise Pistolen aber auch mal Stichwaffen einsetzen. Die Gewalt ist zwar stellenweise deftig, steht aber nicht im Vordergrund. Logische Schlussfolgerung: Die ungekürzte Fassung ist freigegeben für Erwachsene.
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18. Apocalypto, USA 2006, Mel Gibson
© Constantin
 

Handlung: Der junge Dorfbewohner Pranke des Jaguars (Rudy Youngblood) wird aus dem Dschungel entführt und soll in einem blutigen Ritual geopfert werden, um das Königreich vor dem Untergang zu retten. Doch kurz vor seiner Tötung gelingt Pranke des Jaguars die Flucht in den Regenwald, hinter ihm bis an die Zähne bewaffnete Maya-Krieger, die ihn auf dem Opfer-Altar sehen wollen.

Fazit: Action und historische Szenarien kann Mel Gibson bestens miteinander vereinen, das hat er schon in der mehrfach oscarprämierten Highlands-Biographie "Braveheart" unter Beweis gestellt. In "Apocalypto" ist er ein gutes Stück auf Distanz zu seinen Figuren und setzt deutlich mehr auf hohe Tempo und bedrohliche Atmosphäre.

Fassung und Zensur: Die guten alten Maya hatten einen Hang zu scharfen Klingen und giftigen Pfeilen. Besonders ersteres sorgt natürlich für jede Menge schlimme Wunden und abgetrennte Gliedmaßen. Auch herausgerissene Herzen stimmen die Götter etwas gutmütiger. Die Taktung der Bluttaten ist allerdings nicht sonderlich hoch, sodass die 18er-Freigabe für die unzensierte Fassung absolut ausreichend ist.
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17. 28 Days Later..., Großbritannien 2008, Danny Boyle
© 20th Century Fox

 

Handlung:
Jim (Cillian Murphy) erwacht 28 Tage nach dem Ausbruch eines Zombie-Virus in einem Londoner Krankenhaus. Für ihn beginnt jetzt der nackte Kampf ums Überleben gegen die hungrigen Menschenfresser.

Fazit: Oscar-Regisseur Danny Boyle hat die klassische Zombie-Dystopie mit diesem Film wiederbelebt, die schon mit George A. Romeros Zombie-Filmen Horrorfans auf der ganzen Welt begeisterte. Boyle macht dieses blutrünstige Subgenre einem Massenpublikum zugänglich, ohne dabei zu banalisieren oder zu verharmlosen.

Fassung und Zensur: Der Film enthält einige drastische Szenen, die zwar sehr blutig sind, aber niemals die Grenze zu derbem Horror überschreiten. Boyle zeigt eben nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Die deutsche Fassung mit dem Siegel "Keine Jugendfreigabe" ist unzensiert.
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16. Green Room, USA 2015, Jeremy Saulnier
© Universum
  

Handlung: Die Punkband "Ain't Rights" spielt einen Gig in einem kleinen Club mitten im Wald. Als wäre das Skinhead-Publikum nicht schon problematisch genug, beobachten die Bandmitglieder auch noch einen Mord. Den Rechten ist schnell klar: Diese Zeugen dürfen sie nicht mehr ziehen lassen. Die Punks verschanzen sich in dem Club.

Fazit: "Green Room" ist der Beweis, dass es mehr Sinn macht eine ganz schlichte Story konsequent durchzudenken und umzusetzen, als ein unlogisches Spektakel auf die Leinwand zu bringen. Gute Dialoge und glaubwürdige Figuren machen den Film umso spannender. Kein einziger Gag stört die permanent düstere Atmosphäre - "Green Room" ist konsequent humorlos. Regisseur Jeremy Saulniers Film ist einfach gutes Thrillerkino.

Fassung und Zensur: Die Skins und Punks gehen nicht gerade zimperlich miteinander um, Bäuche werden aufgeschlitzt, Menschen von Kampfhunden übelst zerkaut, Schrotflintenschüsse ins Gesicht sorgen für ein Blutbad. Allerdings hält Saulnier nicht bedingungslos drauf, sondern zeigt die Gewalttaten nur so lange wie nötig. Das sorgt für eine adäquate Freigabe ab 18 Jahren in der unzensierten Fassung. Für das Heimkino existiert eine Fassung mit Freigabe ab 16 Jahren, die um fünf Minuten gekürzt wurde.
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15. A Bittersweet Life, Südkorea 2005, Kim Jee-woon
© Splendid

 

Handlung: Mafiakiller Sun-woo (Lee Byeong-heon) bekommt den Auftrag, die Frau eines Gangsterbosses zu beschatten, da ihr Mann glaubt, dass sie eine Affäre hat. Als er dann aber Skrupel bekommt und die Aufgabe nicht den Wünschen seines Auftragsgebers entsprechend durchzieht, hat er bald selbst einige Killer auf den Fersen.

Fazit: Während US-Actionfilme meistens nur auf Spektakel setzen, so erzählt Regisseur Kim Jee-woon seinen düsteren Gagster-Thriller mit erstaunlicher Gelassenheit. Dennoch gibt es ausgezeichnet inszenierte Action-Szenen, in denen tausende Kugeln fliegen. Die Mischung stimmt, die Handlung ist spannend. So macht man ernsthafte Thriller-Action für Erwachsene.

Fassung und Zensur: Die Angabe "Director's Cut" auf der DVD bezieht sich auf die koreanische Original-Fassung. Diese ist ungekürzt mit einer Freigabe ab 18 Jahren versehen. Das ist für ein paar blutige, aber nicht blutrünstige Ballereien auch passend, zielt der Film doch niemals auf plakative Grausamkeiten ab.
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14. The Descent - Abgrund des Grauens, Großbritannien 2005, Neil Marshall
© Universum

 

Handlung: Bei einer Klettertour in ein dunkles Höhlensystem stürzt ein Teil der Höhle ein und versperrt den Abenteurerinnen den Ausgang. Doch es kommt noch viel schlimmer, denn in der Dunkelheit treiben blutrünstige Kreaturen ihr Unwesen, die bald die Jagd auf die Kletterinnen eröffnen.

Fazit: Spannend, unterhaltsam, temporeich und düster - all das beschreibt diesen Ausnahme-Horrorfilm bestens. Einer der ganz wenigen Genrevertreter, der wirklich gefallen kann und dessen Gewaltexzesse nicht zum reinen Selbstzweck sind. Kein Wunder, dass der Brite Neil Marshall nach diesem Film von Hollywood entdeckt wurde.

Fassung und Zensur: Die hübschen Damen sind an einem ernsthaften Höhlen-Ausfug interessiert und haben deswegen jede Menge spitze Gegenstände dabei. Die Kreaturen der Nacht haben ein spitzes Mundwerk. Daraus ergeben sich einige sehr blutige und sehr brutale Szenen, die niemals die Grenzen übertreten. Die unzensierte FSK-18-Fassung lief sogar nach 0 Uhr schon ohne Schnitte im deutschen Fernsehen. Den Amerikanern wurde jedoch ein anderes Ende kredenzt - Das Original-Finale war für die Amis zu depressiv.
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13. The Yellow Sea, Südkorea 2010, Hong-jin Na
© 20th Century Fox
 

Handlung: Gu-nam (Jung-woo Ha) hat ernsthafte Probleme: er kann als Taxifahrer in China kaum genug Geld verdienen, um seine Spielschulden zu begleichen. Dazu ist noch seine Ehefrau verschwunden. Doch plötzlich wird ihm ein erlösendes Angebot gemacht - In Südkorea soll er einen Mann töten, dann werden ihm seine Schulden erlassen.

Fazit: Kompromissloser Thriller, wie man ihn eigentlich nur aus Südkorea kennt. Einerseits Hochglanzoptik mit einer technisch überzeugenden Umsetzung. Andererseits auf ein erwachsenes Publikum abgestimmt, das für eine spannende Handlung auch einiges ertragen muss. Im Vergleich mit "The Chaser" oder "I saw the Devil" aber weitaus weniger exzessiv.

Fassung und Zensur: Der Thriller ist extrem düster und zeigt deutlich, wovon er spricht: Ein paar abgetrennte Gliedmaßen und blutige Auseinandersetzungen gibt es zu sehen - "The Yellow Sea" ist keineswegs zimperlich. Allerdings ist die deutsche oder besser gesagt die westliche Fassung um mehrere Minuten gekürzt. Der südkoreanische Director's Cut läuft 157 Minuten. Lediglich auf dem Fantasy Filmfest wurde der Film mit Untertiteln in der langen Fassung gezeigt.
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12. Brother, Japan 2000, Takeshi Kitano
© Alive
 


Handlung: Der Yakuza Aniki Yamamoto (Takeshi Kitano) muss von Tokio in die USA fliehen. Auf den Straßen von Los Angeles zeigt er einer kleinen Gangster-Truppe wie man sich Geld und Respekt verschafft in seinem Revier.

Fazit: Kitano in doppelter Ausführung vor und hinter der Kamera. Wie für den exzentrischen Japaner üblich hält er die sehr ruhige und sehr langsame Inszenierung von vorne bis hinten durch. Lediglich sehr kurze Gewaltexzesse in Form von blutigen Schießereien durchbrechen die Stille.

Fassung und Zensur: Die Gewaltszenen beschränken sich bis auf ganz wenige Ausnahmen auf extrem blutige Schießereien, bei denen meistens die erste abgefeuerte Kugel schon die Auseinandersetzung entscheidet. Die deutsche Fassung ist, im Gegensatz zu der US-Fassung, mit einer Freigabe ab 18 Jahren unzensiert erschienen.
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11. Gangs of Wasseypur, Indien 2012, Anurag Kashyap
© Polyband
 


Handlung: Über drei Generationen bekämpfen sich die Klans von Sultan (Pankaj Tripathy) und Shahid Khan (Jaideep Ahlawat) in der kleinen Bergbau-Stadt Wasseypur.

Fazit: Was für ein episches Meisterwerk. In diesem insgesamt fünf Stunden und zwanzig Minuten langen Film wird die Chronik eines unerbittlichen Machtkampfes ausgetragen, der teilweise schon Züge von Mafiaepen wie "Der Pate" oder "Goodfellas" hat. Trotz seiner immensen Laufzeit nie langweilig. Von typischem Bollywood-Kitsch ist hier keine Spur.

Fassung und Zensur: Es gibt keine zwei Teile von diesem Film. Er wurde in Europa lediglich in zwei Teilen veröffentlicht. Während die ersten 160 Minuten noch ab 16 Jahren freigegeben sind, gipfelt die Fehde in den zweiten 160 Minuten in Erschießungen und einem extrem derben Kehlenschnitt. Ist nicht auf dem Index.
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10. The Chaser, Südkorea 2008, Hong-jin Na
© MFA Filmdistribution
 

Handlung: Joong-Ho Eom (Yun-seok Kim) braucht dringend Kohle, nachdem zwei seiner besten Nutten spurlos verschwunden sind. Als auch Nummer drei nicht mehr nach Hause kommt, fällt ihm auf, dass die Damen immer von dem selben Freier nicht zurück kamen. Der Zuhälter macht sich auf die Spur des Mannes.

Fazit: Ein wunderbar düsterer Thriller wie ihn nur Südkoreaner umsetzen können. Es gibt eigentlich keine positive Figur, alle haben Dreck am Stecken, jagen aber gemeinsam den, der am meisten verbrochen hat. Spannend, intelligent und ziemlich humorlos ist einfach eine gute Mischung, die die Südkoreaner drauf haben. Nach "The Yellow Sea" (Platz 13) der zweite Film von Hong-jin Na auf dieser Liste.

Fassung und Zensur: Die Kamera blendet nicht weg, wenn eine Prostituierte in den Krallen des Nuttenmörders landet. Zudem findet Joong-Ho Eom seine Häschen auch öfter mal in Einzelteilen. Das brachte dem Film das Siegel "Keine Jugendfreigabe" ein.
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9. Ip Man, Hongkong / China 2008, Wilson Yip
© Splendid
 


Handlung: Foshan in den 30ern: Ip Man (Donnie Yen) gilt als der beste Kämpfer der Stadt, will sein Können aber nicht unterrichten und an andere weitergeben. Als die japanische Armee in China einmarschiert, soll Ip Man zu ihrer Belustigung in Showkämpfen antreten.

Fazit: Die Biographie des Wing-Chun-Großmeisters erzählt nur in einer sehr kurzen Szene von dessen Schüler Bruce Lee. Auch stehen die exzellent choreographierten Kampfszenen nicht im Vordergrund, sondern die sehr menschliche Geschichte. Eingebettet ist das Ganze in aufwändige Sets mit Massen an Statisten. Erstaunlich, dass es Martial-Arts-Star Donnie Yen nach unzähligen dumpfen Hau-drauf-Filmen doch noch geschafft hat in einem wirklich guten zu spielen.

Fassung und Zensur: Die deutsche Fassung ist nicht auf dem Index und trägt unzensiert das Siegel "Keine Jugendfreigabe". Wäre diese Biographie von einem großen US-Verleih, dann hätte sie mit Sicherheit sogar eine Freigabe ab 16 Jahren bekommen.
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8. Saw, USA 2004, James Wan
© Kinowelt
 


Handlung: Zwei Herren wachen angekettet in einer Zelle auf, ohne zu wissen wo sie sind. Um zu überleben müssen sie Aufgaben erfüllen, die der mysteriöse "Jigsaw" ihnen übermittelt. Das Spiel kann beginnen.
 

Fazit: Der erste von sieben Teilen ist noch nicht Teil des Torture-Porn-Subgenres. Hier gibt es noch eine wunderbar durchdachte Geschichte, jede Menge gruseliger und blutiger Momente und einen tollen Twist am Ende. Gedreht für lächerliche 1,2 Millionen Dollar in nur 18 Tagen und ohne, dass die Schauspieler jemals proben konnten, katapultierte dieser Film Regisseur James Wan mit Recht auf den Thron der Horror-Regisseure. Wans ("Insidious", "The Conjuring") Regentschaft dauert seit dem an.

Fassung und Zensur: Von "Saw" gibt es drei Fassungen in Deutschland. Eine völlig verstümmelte, mit einer Freigabe ab 16 Jahren stigmatisierte. Dann die deutsche Kinofassung, die dem US-Kinorelease entspricht und eine hierzulande "Director's Cut" betitelte. Dieser "Director's Cut" entspricht der Unrated- bzw. NC-17-Rated-Fassung aus den Staaten und läuft exakt 24,08 Sekunden länger als die Kinofassung. Erstaunlicherweise ist noch nicht einmal der "Director's Cut" indiziert - dabei fließt das Blut hier in Strömen.
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7. I saw the Devil, Südkorea 2010, Kim Jee-woon
© Splendid

 Handlung: Nachdem ein blutrünstiger Serienmörder seine schwangere Freundin ermordet hat, wird es für den Superbullen Kim Soo-hyeon (Byung-hun Lee) persönlich. Seine gnadenlose Hetzjagd auf den Killer Kyung-chul (Min-sik Choi) bringt die beiden mehrfach aneinander.

Fazit: Wenn der Killer schon nach kurzer Spielzeit in einem Film mit fast zweieinhalbstündiger Spielzeit gefasst wird, dann kann doch irgendwas nicht stimmen. Das Problem ist dabei aber auf der Seite des Killers, denn immer wieder wird er von dem Polizisten heimgesucht. Hochglanz-Thriller mit einer unfassbar dichten und düsteren Atmosphäre. Nachdem Kim Jee-woon diesen Supererfolg in Südkorea feierte durfte er sogar mal in den USA ran und den Schwarzenegger-Actioner "Last Stand" machen.

Fassung und Zensur: Die FSK verweigerte dem Film die Freigabe, erst mit einer Kürzung von knapp elf Minuten Filmmaterial bekam er das Siegel "Keine Jugendfreigabe". Da die Juristenkommission der SPIO dem Film ebenfalls keine Freigabe erteilen wollte, lies man ihn von einer unabhängigen Juristenkommission prüfen. Die deutsche Fassung von Splendid trägt nun das Siegel "juristisch geprüft: strafrechtlich unbedenklich" und ist unzensiert, dafür aber auf dem Index. Das alles nicht zu Unrecht: Gegen "I saw the Devil" ist beispielsweise "Sieben" ein Kinderfilm.
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6. The Man from Nowhere, Südkorea 2010, Jeong-beom Lee
© Splendid
 


Handlung: Pfandleiher Cha Tae-sik (Bin Won) beobachtet wie Verbrecher eine Frau und ihre Tochter entführen. Das Drogenkartell bietet ihm einen Job an, damit Mutter und Kind frei gelassen werden. Was sie nicht wissen: Der Pfandleiher ist ein ehemaliger Super-Killer.

Fazit: Hätten Amis diesen Thriller gemacht, dann wäre mutmaßlich ein übertriebener Actionfilm mit dummen Sprüchen dabei rumgekommen. Südkorea macht es mit Stil, einer guten Geschichte, viel Gefühl und knallharten Actionausbrüchen. Die Mischung funktioniert, ist unterhaltsam und clever zugleich.

Fassung und Zensur: Das Siegel "Keine Jugendfreigabe" trägt der Film definitiv nicht ohne Grund. Da es aber neben blutigen Schießereien und Klingen-Duellen nur zu einem kleinen Blutbad ohne extreme Ausreißer kommt, ist die deutsche Fassung auch unzensiert.
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5. Tropa de Elite, Brasilien 2007, José Padilha
© Senator
 

Handlung: In den Slums Brasiliens gehen extrem bewaffnete Polizeikräfte gnadenlos gegen Verbrecher vor. Dabei überschreiten die Gesetzeshüter mit ihrer Art zu arbeiten selbst gerne die Grenzen des Legalen.

Fazit: Hört sich erstmals an wie dumpfes Rumgeballer, hat aber eine wirklich gute und atmosphärische Handlung zu erzählen. Kein Wunder dass diese düstere Elitepolizei-Geschichte nicht nur den goldenen Bären in Berlin gewann, sondern Preise auf der ganzen Welt einheimste.

Fassung und Zensur: Die brasilianische Kriminellen-Jagd ist zwar ziemlich drastisch, aber niemals übertrieben: "Tropa de Elite" kommt mit harter, düsterer Action daher. Somit ist die unzensierte Fassung mit dem Siegel "Keine Jugendfreigabe" versehen.
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4. Irreversibel, Frankreich 2002, Gaspar Noé
© Legend Films
 

Handlung: Partyqueen Alex (Monica Bellucci) wird von einem gewaltfreudigen Homosexuellen brutalst vergewaltigt und landet im Krankenhaus. Ihr Freund Marcus (Vincent Cassel) hat nur noch eines im Sinn: Rache.

Fazit: Gaspar Noé wird wohl nie einen Disney-Film machen. Neben Ulrich Seidl könnte man ihn zum Macher der depressivsten Filme küren, der den Zuschauer immer wieder in menschliche Abgründe führt. "Irreversibel" hat eine extrem düstere Stimmung. Zudem ist seine Inszenierung nahezu genial. Die einzelnen Kapitel werden in umgekehrter Reihenfolge erzählt und sollen den Eindruck erwecken, dass nicht geschnitten wurde. So muss es sich anfühlen, wenn man einen Vorschlaghammer ins Gesicht bekommt.

Fassung und Zensur: Ein extrem kontroverses Werk, dem das US-Magazin den Titel “most walked-out-of movie of the year” verlieh. Dabei rechtfertigen nur zwei Szenen die "Keine Jugendfreigabe" der unzensierten und nicht indizierten Fassung: Die etwa zwölf Minuten lange und extrem gewalttätige Vergewaltigung Alex' und die Begegnung des Täters mit dem Feuerlöscher . . .
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3. Battle Royale, Japan 2000, Kinji Fukasaku
© Kinowelt
 

Handlung: In der Zukunft wird jedes Jahr eine neunte Klasse auf eine einsame Insel verfrachtet. Dort müssen sich die Schüler mit zugelosten Waffen bekämpfen, bis nur noch einer am Leben ist. Doch was ist, wenn nur noch dein bester Freund übrig ist?

Fazit: "Die Tribute von Panem" hat dieselbe Handlung wie "Battle Royale" ist nur weitaus weniger konsequent in seiner Umsetzung. Diese Adaption von Koushun Takamis Roman nimmt kein Blatt vor den Mund, liefert Gesellschaftskritik knallhart ab und ist zudem noch unterhaltsam und spannend.

Fassung und Zensur: Für die Freigabe "SPIO/JK: strafrechtlich unbedenklich" mussten gut sieben Minuten aus Kinji Fukasakus Werk in der Kinowelt-Veröffentlichung weichen. Dennoch ist diese Fassung indiziert. Auch die unzensierte Fassung von Marketing-Film trägt das Siegel "juristisch geprüft" und war sogar kurzzeitig bundesweit beschlagnahmt wegen Verstoßes gegen den Gewalt-Paragraphen § 131 StGB. Die Beschlagnahme wurde jedoch zurückgenommen, jetzt sind beide Fassungen in Deutschland wieder legal - wenn auch indiziert.
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2. Sin City, USA 2005, Robert Rodriguez
© Buena Vista
 

Handlung: In Basin City ist die Hölle los. Prügelknabe Marv (Mickey Rourke) ist auf einem Rachefeldzug, Dwight (Clive Owen) verteidigt einen Haufen Nutten gegen einen Killer-Cop und Bulle Hartigan (Bruce Willis) jagt den Yellow Bastard (Nick Stahl).

Fazit: Robert Rodriguez bringt einen Comic von Frank Miller auf die Leinwand, wie ihn noch niemand gesehen hat. In dieser Neo-Noir-Welt ist keiner sicher, die verwobenen Geschichten ziehen den Zuschauer rein. Und vor allem optisch kann "Sin City" bestens überzeugen.

Fassung und Zensur: Es existieren zwei Fassungen. Einmal die (bessere) Kinofassung mit einer Länge von 124 Minuten und der Recut, der 147 Minuten läuft. Der Recut enthält nicht mehr Action, sondern mehr Handlung. Zudem sind die Geschichte hier nicht mehr inenander verschachtelt, sondern eine nach der anderen angeordnet. Da geht einiges verloren. Beide Fassungen sind ab 18 Jahren freigegeben und nicht auf dem Index.
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1. Kill Bill Vol. 1, USA 2003, Quentin Tarantino
© Buena Vista
 

Handlung: Beatrix Kiddo (Uma Thurman) wacht aus dem Koma auf und macht sich, bewaffnet mit einem Samuraischwert, auf die Jagd nach ihren ehemaligen Killer-Kollegen. Ganz am Ende der langen Rache-Rechnung steht ihr Ex-Mann Bill (David Carradine).

Fazit: Regie-Gott Quentin Tarantino liefert mit "Kill Bill Vol. 1" den wohl besten Film für Erwachsene dieses noch jungen Jahrtausends ab. Nicht nur, dass diese Gewaltorgie fantastisch inszeniert ist, der Film ist auch unfassbar unterhaltsam und zugleich eine Hommage an fast jedes asiatische Actiongenre. "Kill Bill Vol. 1" ist eine 112 minütige Enzyklopädie des Asia-Kinos.

Fassung und Zensur: Im Vergleich mit der US-Fassung ist die deutsche Veröffentlichung unzensiert. Den Japanern wurde aber exklusiv eine 62 Sekunden längere Fassung kredenzt. Vor allem die Animeszenen sind dort ein paar Sekündchen länger, zudem sieht man noch wie die Braut der im Auto liegenden Sophie auch den zweiten Arm abhakt. Die zweite Änderung: Die komplette in schwarz/weiß gehaltene Schlachtszene im "Haus der blauen Blätter" ist in Japan in Farbe. Das Blut darf hier rot spritzen. Die Kinofassung ist freigegeben ab 18 Jahren und nicht auf dem Index, die Japan-Fassung ist in Deutschland nur als Bootleg erhältlich.

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