19. Oktober 2016

Gleißendes Glück

© Wild Bunch

Regie: Sven Taddicken
Land / Jahr: Deutschland 2016












Helena (Martina Gedeck) führt eine triste Ehe mit ihrem gewalttätigen Gatten (Johannes Krisch), auch den Glauben an Gott scheint sie verloren zu haben. Hoffnung bereitet ihr ein Buch des Alltagsphilosophen Eduard E. Gluck (Ulrich Tukur). Als sie ihn in Hamburg trifft, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch auch Eduard hat ein dunkles Verlangen.

"Rosamunde Pilcher" + "50 Shades of Grey"
Der Debütroman der schottischen Autorin A. L. Kennedy "Gleißendes Glück" hat es in sich und zwar deutlich mehr als es der triste, generische und langweilige Titel in Lichtjahren vermuten lassen würde. Alles fängt wie ein durchschnittliches TV-Drama an. Wäre da nicht dieser leicht sarkastische Unterton, möchte man meinen eine Folge von "Rosamunde Pilcher" zu sehen - doch nach einem Drittel kommt der dicke Wendepunkt.
Denn dann trifft diese Pilcher-Variante auf "50 Shades of Grey", denn der holde Ritter in seiner glänzenden Uniform hat, ebenso wie Helenas Ehemann, eine ganz eigene Vorstellung von Sexualität. Es gibt zwar weniger auf die Fresse, aber die beeindruckend umfangreiche Pornosammlung von Autor Eduard E. Gluck ist fast ebenso merkwürdig, wie sein Verlangen Helena die Schamhaare zu schneiden - mit einer Nagelschere. Das ist allerdings weniger auf Billig-Erotik ausgelegt wie die SM-Variante von "Grey"-Autorin E. L. James.
Dabei befindet sich der Film immer in der Bredouille, dass er sich nicht entscheiden kann, ob er bitter ernst mit einem traurigen Unterton ist, wie in den Szenen der gescheiterten Ehe. Aber es geht auch genau anders herum: Die Momente zwischen Helena und Eduard haben einen eigenwillig heiteren Sarkasmus mit einem romantischen Touch. Das könnte beides einzeln funktionieren, mit diesem Mix schafft Regisseur Sven Taddicken aber etwas völlig Unausgegorenes.

Exzentrische Figuren
Einen Lichtblick gibt es in diesem ungewöhnlichen deutschen Drama aber doch noch: Alle drei Darsteller, die die komplette Screentime für sich einnehmen, liefern wirklich überzeugende Leistungen ab - und keiner von ihnen hat einen leichten Job, schließlich spielen sie jeweils sehr exzentrische und ungewöhnliche Figuren.
Die Mischung aus "Rosamunde Pilcher" und "50 Shades of Grey" will überraschen, frischen Wind bringen und vor allem schockieren - letzteres so verzweifelt, dass es oftmals erzwungen wirkt. Der Titel "Gleißendes Glück" ist dermaßen dröge, dass er mit Sicherheit einige potenzielle Zuschauer von den Kinokassen abhalten wird, dabei gibt es eine nette Portion ruhiger Unterhaltung - wenn man sich mit der ungeschickten Mischung der Emotionen abfinden kann.

Fazit: 50 %

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