3. Oktober 2016

Hardcore Henry

© Capelight

Regie: Ilya Naishuller
Land / Jahr: USA, Russland 2015












Henry wird in einem Labor von den Toten erweckt, kann nicht mehr sprechen, sein halber Körper besteht aus Metall und Ersatzteilen. Bevor er sich orientieren kann, bricht das Chaos los und der Kriegsfürst Akan (Danila Kozlovsky) versucht ihn erneut umzubringen. Aber nicht mit Henry: Der zieht in den Krieg gegen eine ganze Armee.

30 Millionen Klicks auf Youtube
Eigentlich ist Ilya Naishuller gar kein Regisseur. Er spielt in der Rockband "Biting Elbows" und wollte für den Song "Bad Motherfucker" ein besonders kreatives Musikvideo drehen: Die Ego-Perspektive und jede Menge Tote sorgten für mehr als 30 Millionen Youtube-Klicks und Timur Bekmambetov ("Wächter der Nacht") wurde aufmerksam. Der russische Hollywood-Regisseur stieg als Produzent ein.
In allerbester "Universal Soldier"-Manier schickt Ilya Naishuller jetzt einen Mann in den Kampf, der weder ein Gesicht noch eine Stimme hat. Dem anonymen Superkiller aus dem Musikvideo wurde jetzt zwar eine Hintergrundgeschichte, aber immer noch kein Charakter verpasst. Bis auf seine Fäuste ist er nahezu unkommunikativ.
Ein besonders kreativer Aspekt ist der Umstand, dass "Hardcore Henry" mehr von einem Ego-Shooter-Videospiel als von einem Film hat. Die Kamera erzählt die Geschichte wunderbar konsequent aus der Ego-Perspektive der Hauptfigur - niemals wird davon abgewichen. Das hat es partiell schon in der Adaption des Games "Doom" gegeben, Elijah Wood ging ebenfalls in Ich-Perspektive auf die Jagd nach jungen Frauen als Serienmörder in dem blutrünstigen Horror-Remake zu "Maniac" - so richtig neu ist die Idee also nicht.
Einen Film ausschließlich aus der Subjektiven zu zeigen scheint aber untrennbar verknüpft mit krassen Gewaltszenen. Alexandre Ajas "Maniac" war so bitterböse, dass der Film sogar in Deutschland beschlagnahmt wurde; auch "Hardcore Henry" scheut nicht davor, seine Figuren ordentlich zulangen zu lassen. Henry tötet auf jede erdenkliche und äußerst grafische Weise: Er erschießt, schlitzt auf, bricht Knochen und hat ein Faible dafür, seine Feinde aus großer Höhe fallen zu lassen.

Hyperschnelle Killereien
Das Tempo ist in "Hardcore Henry" extrem hoch, direkt am Filmstart geht es los und bis zum Ende kommt der Cyborg nicht zum Stehen. Allerdings wird das Ganze auch schnell redundant und hätte ein gutes Stück kürzer sein können. Dabei spricht es nicht gerade für den Film, dass es kaum auffallen würde, wenn irgendwo einfach mal zehn Minuten fehlen würden. Daran wird besonders deutlich, dass die Actiontour künstlich gestreckt wurde.
"Hardcore Henry" ist aufgrund der hyperschnellen Geschwindigkeit, der derben Killereien und der konsequenten Inszenierung zu einem wirklich unterhaltsamen Actionfilm geworden, der mit seinen Aufnahmen in der russischen Hauptstadt auch jede Menge unverbrauchte Bilder liefert. Allerdings ist die Handlung der Mischung aus "Universal Soldier" und einem Ego-Shooter sehr repetitiv und hätte kürzer ausfallen können. Dass ein Protagonist, den man nicht sieht und der nicht spricht, vollkommen willkürlich ist, hilft natürlich auch nicht. Technisch ein nettes Experiment, narrativ unteres Niveau. Besser als die meiste Hollywood-Actionkost ist "Hardcore Henry" aber trotzdem, da er auch eine ordentliche Portion Männeraction beinhaltet, die seit den 80er Jahren nahezu verschollen ist.

Fazit: 60 %

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