8. Oktober 2016

Nerve

© StudioCanal

Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
Land / Jahr: USA, Hongkong 2016












Vee (Emma Roberts) ist eigentlich eher zurückhaltend. Als sie bei dem Reality-Spiel "Nerve" einsteigt, wittert sie aber das große Geld und sucht das Risiko. Gemeinsam mit Ian (Dave Franco) besteht sie eine Aufgabe nach der anderen: Von einen Fremden zu küssen, bis hin zu mit verbundenen Augen Motorradfahren. Doch das Spiel droht vollkommen aus dem Ruder zu laufen.

Unausgereiftes Script
Eine tolle Idee reicht und schon wird ganz schnell ein Kinofilm daraus: Bei dem US-Action-Thriller "Nerve" schienen Regisseure und Produzenten so überzeugt von dem Konzept mit dem lebensgefährlichen Online-Spiel, dass sie auch vor einem völlig unausgereiften Drehbuch nicht haltmachten. Da wäre mehr deutlich drin gewesen.
Das Konzept ist durchaus interessant: Bei dem Reality-Spiel "Nerve" können sich die User entscheiden ob sie Spielern nur zugucken wollen oder selbst ein paar Aufgaben meistern wollen. Wer mitspielt, der bekommt eine Aufgabe und kann damit echtes Geld verdienen. Zudem gibt es noch jede Menge Aufmerksamkeit von den Spiel-Zuschauern, die die Gamer von ihren Smartphones aus beobachten können.
Aber warum gelingt es Vee so schnell, sich an die absolute Spitze von "Nerve" zu spielen? Wieso gibt es bei einem Spiel, bei dem so leicht echtes Geld verdient werden kann, nur so wenige Spieler? Wie kann das Spiel so lange geheim bleiben, ohne das irgendeine Autorität davon erfährt, obwohl der Großteil der Aufgaben in der Öffentlichkeit zu tätigen ist? Und vor allem: Wieso funktioniert das Spiel so perfekt und durchdacht und wie kann es sein, dass die Überwachung so lückenlos ist? Das Drehbuch ist überhaupt nicht durchdacht, oft unlogisch und lückenhaft. Das darf gerade bei einem Film mit einem so hohen Budget von 20 Millionen Dollar nicht passieren.

Seitenhieb auf den Voyeurismus
Was allerdings gut funktioniert ist die unterschwellige Gesellschaftskritik. Gerade der Seitenhieb auf diesen Voyeurismus, diese Geilheit darauf anderen Menschen zuzusehen, wie sie sich zugrunde richten, kommt besonders im Finale an. Das Problem liegt hier nicht nur in der Unendlichkeit des Internets, sondern auch in der permanenten Selbst-Versklavung durch Smartphones.
Gute Idee, schlechte Umsetzung: Auch wenn "Nerve" durch sein hohes Tempo und seine straffe Montage der Attraktionen unterhalten kann, so erwarten die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman vom Zuschauer, dass der sein Logikempfinden in vielen Szenen extrem unterdrückt. "Nerve" ist inhaltlich nicht fertig und wirkt oftmals übereilt, dabei scheint das Potenzial, das in der Idee steckt, immer wieder durch.

Fazit: 45 %

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