15. Oktober 2016

Swiss Army Man

© Capelight

Regie: Dan Kwan, Daniel Scheinert
Land / Jahr: USA 2016












Hank (Paul Dano) hat keine Hoffnung mehr, von seiner einsamen Insel runterzukommen und will sich töten. Neuen Lebensmut bringt der an den Strand gespülte Manny (Daniel Radcliffe). Der ist zwar tot, allerdings - wie ein Schweizer Taschenmesser - vielseitig einsetzbar. So beginnt eine echte Freundschaft zwischen den beiden Herren.
Robinson Crusoe hatte Freitag, Tom Hanks hatte in "Cast Away" seinen Ball Wilson und Hank hat in "Swiss Army Man" eben eine multifunktionale Leiche. Aus "Swiss Army Knife" (Schweizer Taschenmesser) machten die beiden Regisseure Dan Kwan und Daniel Scheinert den "Swiss Army Man" und statteten ihn mit zahlreichen Funktionen aus. Manny kann sich furzend über Wasser halten, aus seinem Mund Gegenstände abschießen und hat einen Pimmel-Kompass. Zudem ist der Leichnahm ein sehr ruhiger und loyaler Freund.
Im Endeffekt ist "Swiss Army Man" eine One-Man-Show. Schließlich macht Radcliffe genau das, was er machen soll - und das ist nahezu nichts. Paul Dano mimt einen vollkommen wahnsinnigen Gestrandeten, der ungewöhnlich pazifistisch vorgeht und ein recht empfindliches Gemüt hat. Und diesen Antihelden spielt macht der junge US-Darsteller ziemlich gut.
Entgegen der Erwartungen, die der Trailer so zwanghaft schüren möchte, hier eine Komödie zu liefern, so hat diese originelle Mischung aus "Robinson Crusoe" und "Wo die wilden Kerle wohnen", einen enormen Hang zu philosophischen Unterhaltungen. Ihr Inhalt ist allerdings wenig ansprechend, geht es doch oftmals um Furzereien, Fäkalien und interessante Dinge, die man mit Frauen anstellen kann. Das ist doch eher sehr speziell.
Man muss dem Regie-Duo aber ganz dick anrechnen, dass sie wirklich alles dran gelegt haben, dem Schweizer-Armee-Menschen eine ordentliche Extraportion Originalität zu verpassen. Zwar wird das Tempo durch die eigenwilligen Dialoge und die lahme Musik leider nahezu permanent gedrosselt, aber die Handlung und ihre Wendungen sind zu 0 Prozent vorhersehbar, sodass das Interesse an der Auflösung groß ist.
"Swiss Army Man" ist so dermaßen durchgeknallt, dass es verwunderlich ist, dass dieser Film aus den verklemmten USA und nicht aus Japan kommt. Sicher ist aber, dass die exzentrische Mischung aus Philosophie und Pipi nicht jedermanns Geschmack sein wird. Während die meisten Filme von einfältigen Erwachsenen gemacht werden, so scheint dieser aus den Gehirnen von zwei intelligenten Kindern zu stammen. Sehenswert ist "Swiss Army Man" schon aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals. Daniel "Harry Potter" Radcliffe hat dieses Werk übrigens als Lieblingsfilm seines bisherigen Schaffens bezeichnet.

Fazit: 60 %

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