11. Oktober 2016

Wie ein Löwe

© Lazennec 3

Regie: Samuel Collardey
Land / Jahr: Frankreich 2012












Beim Barcelona CF oder beim Chelsea FC möchte der 15-jährige Mitri Diop (Mytri Attal) eines Tages mal Fußball spielen. Leichter gesagt als getan, ist der Junge doch in einem kleinen Dorf im Senegal unter ärmlichsten Bedingungen aufgewachsen. Als ihm dann ein vermeintlicher Talent-Scout die Möglichkeit bietet, in Paris vorzuspielen, ergreift Mitri die Chance.

Abseits des afrikanischen Kontinents
Früher war es die Sehnsuchtsgeschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, mittlerweile träumen Millionen Jungen rund um den Globus davon vom Straßenkicker zur Fußball-Legende zu werden. Besonders groß ist dieses Verlangen in Ländern, die von Armut geprägt sind und in denen es keine Hoffnung zu geben scheint. So sieht es auch der begnadete Kicker Mitri, der seine sportlichen Erfolge jenseits des afrikanischen Kontinents zu finden glaubt.
Das Zeug zum Profi-Fußballer hat Mitri durchaus, daran lässt Regisseur Samuel Collardey kein Zweifeln aufkommen. Ob er allerdings auch ganz oben mitspielen kann, das steht noch in den Sternen - und dafür muss er überhaupt erst einmal die Chance bekommen, sich beweisen zu dürfen. Denn die Ernüchterung kommt schnell, da ihn niemand aufgrund seiner Minderjährigkeit vorspielen lassen will.
Ehrgeiz bringt Mitri ebenfalls eine Menge mit, oftmals aber mehr als gut für ihn ist. Er ist oft eigensinnig - nicht nur auf dem Platz. In Europa angekommen jagt er konzentriert seinem Traum nach, allerdings verschwendet er keinen Gedanken daran, dass man für Geld auch arbeiten kann. Er verlangt eine bessere Wohnung, kostenlose Fußballschuhe und die Gebühren für den Fußballverein sollen die französischen Steuerzahler ihm auch bezahlen. Dafür ist er niemals dankbar, sondern erwartet es einfach und nutzt seine Situation schamlos aus.

Echter Verein für mehr Authentizität
Für einen kleineren Film dieser Art ist Regisseur Samuel Collardey der Clou gelungen, dass er Orte und Vereine nicht fingieren muss. Er lässt sein junges Afrika-Talent von großen Clubs träumen, bringt ihn aber auch auf die Plätze von etwas geerdeteren Vereinen. Der FC Sochaux-Montbéliard mag kein Fußball-Gigant sein, springt der Club doch permanent zwischen 1. und 2. französischer Liga hin und her. Aber immerhin warfen die Franzosen in der Saison 1980/81 schon Eintracht Frankfurt und in der Spielzeit 2003/04 sogar Borussia Dortmund aus dem UEFA-Pokal. Ein guter Verein, um dem Film etwas mehr Glaubwürdigkeit und Authentizität zu verleihen.
"Wie ein Löwe" ist ein gelungener kleiner Film über große Ziele. Zwar ist seine Hauptfigur nicht der ultimative Sympathie-Träger, aber seine Odyssee in Richtung Weltruhm, deren erstes Kapitel hier nur behandelt wird, ist bemüht, besonders realitätsnah zu sein. Gute Fußball-Szenen und talentierte Darsteller heben das Werk über den Durchschnitt. Für mehr ist der Film allerdings in allen Belangen doch noch etwas zu oberflächlich geraten. Die gleiche Story mit epischeren Ausmaßen bietet der etwas bessere Sport-Film "Bando und der goldene Fußball" - ebenfalls eine französische Produktion.

Fazit: 60 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen