5. November 2016

66/67 - Fairplay war gestern

© Ascot Elite

Regie: Jan-Christoph Glaser, Carsten Ludwig
Land / Jahr: Deutschland 2009












Die Bundesligasaison 1966/67 war eine ausgezeichnete für die Eintracht aus Braunschweig: die Löwen wurden Deutscher Meister. In der Spielzeit 2007/08 geht es in der Regionalliga Nord für die Braunschweiger darum den Cut für die neue 3. Bundesliga nicht zu verpassen. Eine Truppe aus Braunschweig-Fans ist daran nur semi interessiert, sie wollen lieber ihre Gewaltfantasien ausleben.

Neugründung von Liga 3
Hooligan-Filme gibt es mittlerweile so viele, dass sie schon ein echtes Sub-Sub-Genre des Sportfilms sind. Für gewöhnlich kommen diese Werke aus Großbritannien als hätten die Tommies ein Monopol auf Fußball-Hauereien. Und dann wird im Jahr 2009 mit "66/67" eine deutsche Variante des Themas produziert.
Sympathischerweise geht es hier nicht um "Fans" von deutschen Fußballgrößen wie Bayern München, Schalke 04 oder Borussia Dortmund. Das Regisseurduo Jan-Christoph Glaser und Carsten Ludwig geht gleich zwei Ligen tiefer und richtet seinen Blick auf den Moment der Neugründung von Liga 3 am Beispiel des ehemaligen Deutschen Meisters Eintracht Braunschweig.
Dabei wird der Zuschauer über nahezu alle Modalitäten im Dunkeln gelassen. Es wird nicht erklärt, was die Eintracht erreichen muss, um den Sprung in die 3. Liga zu schaffen. Die Fußball-Schläger sind bei kaum einem Spiel im Stadion und niemals weiß man, gegen welche Mannschaft gespielt wird. Lediglich die Rivalität mit den "Roten", den Fans von Hannover 96 wird hin und wieder thematisiert. Selbst beim finalen Saison-Spiel, dass über die Ligazugehörigkeit entscheidet, wird der Fokus auf andere Themen gelegt.
Das Drehbuch bietet beispielsweise Heiratsanträge auf dem Stadionrasen vor einem Spiel, Einbrüche in die Vereinszentrale, halb-tot geschlagene Ex-Freundinnen und Angriffe auf harmlose Hannover-Fans. Doch diese mitunter einfallsreichen Wendungen können niemals mitreißen, plätschern einfach so unmotiviert vor sich hin.

Unsympathischer als jeder Briten-Schläger
Ein guter Grund dafür, dass die Geschichten kaum mitreißen sind die ausschließlich unsympathischen Figuren. Man muss es ja nicht toll finden, dass die Jungs ein Faible dafür haben, anderen Menschen die Fresse zu polieren. Aber dass es Regisseure schaffen, gleich ein Dutzend Figuren zu zeichnen, denen man die Pest an den Hals wünscht, ist schon schwach - und dabei liefern die Darsteller ordentliche bis gute Leistungen ab.
"66/67" erzählt die Geschichte von einem kleinen Wendepunkt im deutschen Fußball am Beispiel der niedersächsischen Löwen aus Braunschweig. Aber anstatt ein paar stumpf-dumme Hooligans zu zeigen, die weniger sympathisch sind als jeder Briten-Schläger, hätten die beiden Filmemacher lieber ein paar echte Fußball-Fans zu ihren Helden machen sollen. Zudem wird dem Zuschauer kaum jemals die Möglichkeit gegeben sich in der Liga und der Tabelle zu orientieren.

Fazit: 40 %

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