16. November 2016

Colossus - The Forbin Project

© Ostalgica

Regie: Joseph Sargent
Land / Jahr: USA 1970












Das muss gefeiert werden: Der brandneue Supercomputer Colossus soll sich um die US-amerikanischen Raketen kümmern. Doch kaum ist der Rechner am Netz, schon kommuniziert er mit seinem russischen Pendant und leitet eigenhändig Angriffe ein. Ein Fiasko, das sein Erfinder, der Ingenieur Dr. Charles Forbin (Eric Braeden) noch stoppen soll.

Nur Kubrick war schneller
Bereits 1966 veröffentlichte der britische Autor Dennis Feltham Jones seinen Erstling: den dystopischen Roman "Colossus". Nur vier Jahre später adaptiert Regisseur Joseph Sargent die visionäre Geschichte für das Kino. Im Fokus steht ein Supercomputer, der in vielen Belangen wegweisend ist.
Zwei Jahre vorher hat Stanley Kubrick in seinem genialen Science-Fiction-Epos "2001: Odyssee im Weltraum" einen Supercomputer zum Antagonisten gemacht. HAL 9000 heißt der Schlingel, der ein eigenes Bewusstsein hat und macht was er will - entgegen den Wünschen und Befehlen seiner menschlichen Erschaffer. Erst (oder schon?) 1983 erscheint "Wargames - Kriegsspiele", bei dem ein junger Hacker beinahe den Dritten Weltkrieg auslöst.
Zwischen den beiden Sci-Fi-Dystopien steht "Colossus", der mutmaßlich aufgrund seines unamerikanischen Pessimismusses nicht so erfolgreich war, wie die beiden anderen Werke. Denn hier hat der titelgegende Rechner wenig Mitleid mit den Menschen und strebt die totale Vernichtung an. Direkt nach seiner Inbetriebnahme kommuniziert er mit seinem Bruderechner in der Sowjetunion - und danach schickt er Raketen auf den Weg, ohne die Genehmigung seiner Erschaffer.
Mitte der 60er geschrieben, 1970 gedreht: "Colossus" ist beispielsweise ein deutlicher Vorbote des Internets. Schließlich treten die beiden Rechner miteinander in Kontakt. Und auch die Vorahnung, zu was künstliche Intelligenz fähig sein könnte, ist erschreckend realitätsnah in unserer Zeit. Grafisch ist das so schlicht wie nur möglich, aber wozu sollte eigentlich auch heute ein Kriegscomputer eine schicke grafische Oberfläche haben?

Der wissenschaftliche James Bond
Leider ist Colossus im letzten Drittel aber arg menschlich. Der Supercomputer geht Kompromisse ein, obwohl er als auf maximalen Erfolg programmierter Rechner das gar nicht nötig hat. Es widerspricht mitunter sogar seiner Programmierung. Und auch Dr. Forbin hat arg menschliche Interessen in düsteren Zeiten, beginnt er doch eine unnötige Romanze mit einer Angestellten, anstatt seine ganze Kraft in die Rettung der Menschheit zu stecken. Der gute Doc versucht ein bisschen wie die wissenschaftliche Variante von James Bond zu sein.
"Colossus" hätte definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient - auch heute noch. Zwar ist die Handlung nicht konsequent zuende gedacht, liefert aber dennoch viele interessante und manchmal auch visionäre Ansätze. Ein wenig unpassend sind Dr. Forbins kleine Bettgeschichten - aber vielleicht brauchte Regisseur Joseph Sargent auch ein paar positive Momente.

Fazit: 70 %

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