23. November 2016

High-Rise

© Universum

Regie: Ben Wheatley
Land / Jahr: Großbritannien, Belgien 2015












Der Psychologe Dr. Laing (Tom Hiddleston) bezieht eine Wohnung in einem der oberen Stockwerke eines gigantischen Hochhauses. Geordnet nach sozialen Klassen - unten wohnen die Armen, oben die Reichen - beginnt das Kontrukt mehr und mehr auseinanderzufallen. Die Grenzen zwischen arm und reichen scheinen immer mehr zu verwischen.

Kann Spuren von Science-Fiction enthalten
Ben Wheatley ist sicherlich kein Mann für Durchschnitts-Dystopien. Der britische Regisseur ist ein Garant für originelle Ideen, meist mit einem Hang zum Genre-Film. Der außerordentlich düstere "Kill List" enthielt Spuren von Horror, ebenso wie die fröhliche Killer-Komödie "Sightseers". "High-Rise" hat weniger Horror, dafür aber Science-Fiction-Elemente. Allerdings gerade mal so wenig, dass er nicht diesem Genre zuzuordnen ist.
Wheatley erzählt eine Geschichte, die losgelöst von Zeit und Raum - es spielt keine Rolle wo und wann die Handlung stattfindet - passiert. Dr. Laing ist der Neue im Hochhaus-Komplex, wird auf wilde (Sex-)Partys eingeladen, lernt den Erschaffer des Ganzen (gespielt von Jeremy Irons) kennen. Und wenn die Traumwelt zu zerfallen beginnt ist der Doc mittendrin statt nur dabei.
Das Produktionsdesign stimmt, ist ästhetisch, solange es das Bedürfnis hat, ästhetisch zu sein. Die Bilder wirken nicht verbraucht und machen es deutlich, dass mit Wheatley jemand hinter der Kamera agiert, der weiß wie er seine Schauspieler zu führen hat. Doch egal, wie überzeugend alles aussieht: "High-Rise" fällt ebenso auseinander wie das Hochhaus an sich. Als wäre das Wheatleys Intention gewesen, da eine Metapher zu kreieren.

Ein Möchtegern-"Uhrwerk Orange"
Denn das Drehbuch ist mehr Schein als Sein. Die Figuren springen durch die Etagen des Gebäudes. Sind mal hier mal da, völlig unmotiviert und ohne Ziel. Wheatley weiß nicht, wo er hin will und so lässt er ein Wirrwarr entstehen, das anfangs noch Spaß macht, dann aber von Minute zu Minute abbaut und sich zum Ende hin noch in die Länge zieht.
Wheatley kann nicht leugnen, dass er eine Art "Uhrwerk Orange" erschaffen wollte. Selbst das Poster mit seiner Dreieck-Optik ist an Stanley Kubricks Meisterwerk angelehnt. Doch obwohl Wheatley ein durchaus guter Filmemacher ist, der einen eigenen Stil hat, so gelingt es ihm nicht, eine Geschchte mit "High-Rise" zu erzählen. Das Potenzial dieses Werkes pulsiert in jeder Einstellung, aber dafür hätte es ein gutes Drehbuch gebraucht. Was Autorin Amy Jump aus J. G. Ballards Roman gemacht hat ist beschämend. Im Vergleich mit Wheatleys inhaltsfreiem "A Field in England" aber dennoch ein Schritt nach vorne.

Fazit: 50 %

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