22. November 2016

Mann mit der Kugelpeitsche, Der

© Indigo

Regie: Mario Caiano
Land / Jahr: Italien 1973












Karate Jack aka Shanghai Joe aka Chin Hao (Chen Lee) will sein Glück im Wilden Westen versuchen und hofft in Texas ganz groß rauszukommen. Anstatt in einer Großstadt, landet er jedoch in einem kleinen Cowboy-Kaff. Als er es dann auch noch wagt, mexikanische Sklaven zu befreien, hat er die besten Killer des Westens gegen sich.

Ein Film der tausend Namen
Ein Phänomen der 70er und 80er war es, dass es Filme gab, die bei jeder neuen Veröffentlichung einen anderen Titel trugen. Dieser Streifen erschien allein in Deutschland unter folgenden Titeln: "Karate Jack - Ich bin euer Henker", "Karate Jack - Ich bin euer Richter!", "Knochenbrecher im Wilden Westen", "Mein Name ist Karate Jack", "Karate yankeedoodle Jack" oder auch "Der Mann mit der Kugelpeitsche". Letzterer ist aber definitiv die frechste Mogelpackung. Denn die Kugelpeitsche kommt lediglich in ganz wenigen Szenen in der ersten Filmhälfte zum Einsatz und ist mehr YoYo als gefährliche Waffe. Dafür hört sich das Wort Kugelpeitsche natürlich sehr reißerisch an.
Selbst der titelgebende Protagonist hat mehrere Namen. Eigentlich heißt er Chin Hao, in der US-Fassung ist sein Spitzname Shanghai Joe, in der deutschen Fassung Karate Jack. Gespielt wird er von Chen Lee, dessen Name aber nicht der größte auf den Filmplakaten ist: Klaus Kinski prangt auf den meisten Postern zu diesem Film am größten. Auch hier wieder kleiner Beschiss: Kinskis Auftritt dauert knappe zehn Minuten.

Irres Crossover
Regisseur Mario Caiano hat einfach ein klares Konzept gehabt, das viel Geld bringen sollte. Der Italowestern war damals ein Erfolgsgarant an den Kinokassen, zudem kam Anfang der 70er Jahre der Kung-Fu-Film mit Bruce Lee nach Europa und eroberte die Herzen der Actionfans. Also nimmt Caiano das Beste aus beiden Welten und macht einen irren Crossover.
Viele Faustkämpfe gibt es allerdings nicht, denn die Cowboys sind Pistolen-Helden und den Umgang mit Martial Arts nicht gewohnt. Sie hauen einen Spruch nach dem anderen raus, die oftmals den Eindruck machen, als hätte Rainer Brandt seine Stimme im Spiel gehabt, der bekannt dafür war, die Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme frei nach Schnauze zu synchronisieren.
Es geht heiß her im Wilden Westen, die Figuren machen Spaß. Die vier auf Karate Jack angesetzten Killer beispielsweise, unter denen der Skalpiermeister Kinski und ein hungriger Menschenfresser sind oder der asiatische Endgegner, dessen echte Augenbrauen noch unter den aufgeklebten durchscheinen sorgen für Abwechslung. "Der Mann mit der Kugelpeitsche" ist einfach beste Trash-Unterhaltung.
Kein Film, den man ernstnehmen kann, dafür aber einer, der Spaß macht und neben vielen dämlichen Momenten auch eine Fülle an netten Ideen bietet. Wäre der Schnitt nicht so krude, würde das Ganze vielleicht noch nicht einmal so ruckelig und billig wirken. Aber irgendwie passt auch das mit dem Schnitt alles zusammen - und die vielen Titel, die von albern bis dämlich reichen, passen auch gut dazu.

Fazit: 60 %

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