13. November 2016

Willkommen bei den Hartmanns

© Warner

Regie: Simon Verhoeven
Land / Jahr: Deutschland 2016












Angelika Hartmann (Senta Berger) will ein gutes Werk tun und den Flüchtling Diallo (Eric Kabongo) bei sich Zuhause aufnehmen. Bei ihrer Familie kommt diese Nachrichten ganz unterschiedlich an: ihr schlecht gelaunter Ehemann und Chefarzt Richard (Heiner Lauterbach) und ihr Karriere-Sohn Philipp (Florian David Fitz) sehen das kritisch, Tochter Sofie (Palina Rojinski) ist begeistert.

Glücklicherweise nicht einseitig
Es war zu erwarten, dass die Flüchtlingsthematik bald auch den Weg in die (deutschen) Lichtspielhäuser findet - nur nicht in welcher Form. Regisseur Simon Verhoeven ist Til Schweiger einen Schritt voraus mit seinem Flüchtlingsfilm und hat sich zu einer komödiantischen Aufarbeitung entschieden.
Gerade bei diesem tendenziell eher seichten Genre war es zu befürchten, dass die Thematik extrem stereotyp angegangen wird - das hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Verhoeven - der übrigens nicht verwandt ist mit "Basic Instinct"-Regisseur Paul Verhoeven - zeichnet nicht nur den guten Flüchtling. Es gibt genauso Kritik an Salafisten und am Islam wie an Rassisten und naiven Gutmenschen. Nicht auf hohem Niveau, aber immerhin vorhanden.
Während sich Verhoeven bei allen Figuren rund um das Hauptmotiv wirklich Mühe gibt, nicht einseitig zu sein, so geht der Rest des Filmes den Bach hinunter. Die Wendungen sind teilweise abenteuerlich. Philipp wird einfach so in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Einmal Randale am Flughafen und zack: Hat er eine Zwangsjacke an. Dann gibt's ein Zebra, dass einfach so jemand zur Party mitbringt, als wäre es 'ne Tüte Chips. Und der zwölfjährige Enkel Basti (Marinus Hohmann) hat genügend Taschengeld, um dafür ein paar Striperinnen zu bezahlen.

Licht und Schatten
Die Qualität der Figuren in diesem Film spaltet sich so wie Moses das Rote Meer. Es gibt ausschließlich sympathische oder gänzlich überflüssige Figuren. Auf der hellen Seite der Macht stehen Angelika und Richard, Tochter Sofie und der angehende Arzt Tarek (Elyas M'Barek) sowie Flüchtling Diallo. Aber Sohn Philipp und der nervötetend peinliche Basti haben keine Existenzberechtigung in der Geschichte. Tiefpunkt ist aber der stalkende Taxi-Nazi Kurt (Thilo Prothmann), dessen Figur gänzlich unnötig und unglaubwürdig ist. Da hat Verhoeven, der auch das Drehbuch schrieb, es zu gut gemeint und konnte sich wohl von einigen Figuren nicht trennen.
Intelligent ist was anderes, aber wenigstens ist Simon Verhoevens nicht der zu erwatende Totalausfall geworden. Das Drehbuch ist zwar ein ziemliches Billigprodukt, aber wenigstens gibt es eine Handvoll sympathischer und interessanter Figuren, die bei Laune halten können. Mehr Tiefe und dafür weniger Breite  - was Figuren und Nebenhandlungsstränge betrifft - wären für die Hartmanns besser gewesen.

Fazit: 40 %

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