12. Dezember 2016

Monday

© Rapid Eye

Regie: SABU
Land / Jahr: Japan 2000












Eigentlich ist Koichi Takagi (Shin'ichi Tsutsumi) die Definition von Durchschnitt: Er hat einen ganz normalen Job, ist eher zurückhaltend denn aufbrausend und "unscheinbar" ist sein zweiter Vorname. Ein stinknormaler Montag ändert aber alles: Im Alkoholrausch gerät Koichi in die Fänge der Yakuza und eine unfassbare Pechsträhne macht ihn zum Serienkiller.

Melancholisch wie ein Finne
Feiner, subtiler Humor, wie man ihn sonst von skandinavischen Melancholikern wie dem finnischen Filmemacher Aki Kaurismäki kennt, ist auch die Handschrift des Autorenfilmers SABU. Der Japaner studierte eigentlich Modedesign, kam dann aber per Zufall zum Film. Nicht nur ein Glücksfall für ihn, sondern auch für Cineasten.
Sein Protagonist ist so unscheinbar, wie er nicht unscheinbarer sein kann. Dann gerät er in eine Verkettung unglücklicher Zufälle und seine Welt gerät vollkommen aus den Fugen. Wie witzig es sein kann, wenn Menschen mit einer durchgeladenen Schrotflinte bedroht werden, dass beweist SABU. Und warum Waffen zu nichts gut sind und Alkohol ein Zauberbetrank für Bestien sein kann. Ehrlich und gemein zugleich.
SABUs Stil schafft einen weiteren ungewöhnlichen Spagat: Obwohl sich der Filmemacher mit seinen Szenen viel Zeit lässt und der Film überdurchschnttlich wenige Schnitte hat, kommt nie auch nur im Ansatz so etwas auf wie Langeweile. "Monday" macht Spaß, hält bei Laune, was vor allem auch daran liegt, dass er nicht im Geringsten absehbar ist. Niemals lässt sich auch nur erahnen, welche Wendungen der Film als nächstes nimmt.

Ein bisschen Anlauf benötigt
Die erste Szene auf der Beerdigung ist zwar witzig, aber noch nicht der Moment, ab dem der Zuschauer in den Film gezogen wird. Erst ab dem Saufgelage in der Bar geht es so richtig los und sobald Koichi von der Toilette zurückkommend die große Überraschung mit den Yakuza erlebt, will man unbedingt wissen, wie die Sache für den stillen Brillenträger endet.
"Monday" ist eine wunderbar schlicht komponierte Satire von einem im positiven Sinne eigenwilligen Autorenfilmer. SABU zieht sein Ding - wie immer, aber selten so gut - konsequent durch. Es gibt jede Menge kleine, feine Gags auf hohem Niveau. Und obwohl niemals die Rede davon sein kann, dass "Monday" überhastet wäre, ist er erstaunlich kurzweilig.

Fazit: 75 %

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