31. Dezember 2016

Nocturnal Animals

© Universal

Regie: Tom Ford
Land / Jahr: USA 2016












Susan (Amy Adams) hat ihren Ex-Mann Edward (Jake Gyllenhaal) schon mehrere Jahre nicht mehr gesehen, da schickt er ihr das Manuskript zu seinem neuen Buch, ein Roman namens "Nocturnal Animals". Ihr gewidmet, erzählt es die Geschichte einer jungen Familie, die einem grausamen Verbrechen zum Opfer fällt.

Grimmige Geschichte in der Geschichte
Ein Film in einem Film: "Nocturnal Animals" erzählt gleich zwei Geschichten. Einerseits gibt es Susan und ihren neuen Ehemann Hutton (Armie Hammer), die zwar jede Menge Geld haben, ansonsten aber keine glückliche Ehe führen. Hutton betrügt Susan und ist so völlig anders als Ex-Mann Edward. Letzterer ist ein Intellektueller, hat dafür aber nie Geld in der Tasche.
Darin verschachtelt liegt Susan im Bett und liest das Manuskript, das ihr Ex ihr aus heiterem Himmel zugesandt hat - schließlich haben sich die beiden schon viele Jahre nicht mehr gesehen. Es ist ihr gewidmet, entpuppt sich aber weniger als freundliches Geschenk, denn mehr als düsterer und grimmiger Thriller mit einem sehr unglücklichen Verlauf für den Protagonisten. Das Buch setzt Susan mit seiner Radikalität zu.
Diese Geschichte in der Geschichte wird auch den Zuschauer nicht ruhig lassen. Gleich zum Start des Buches gibt es eine sehr ausgedehnte Suspense-Sequenz, die nicht nur den Figuren, sondern auch dem Beobachter vor der Leinwand unangenehm sein wird. Dieser Vorfall auf der unbeleuchteten Landstraße ist der vielleicht beste Moment in Tom Fords gesamten Thriller.
Aber auch sonst macht das Herzstück, nämlich das Manuskript, viel Spaß. Wenn Familienvater Tony mit Hilfe des ebenfalls nie lächelnden knallhart Cops Bobby (Michael Shannon) auf Verbrecherjagd geht. Hier ist der Suspense-Faktor wesentlich höher als in der Erzähl-Klammer mit dem untreuen Ehemann und dem wiederkehrenden Ex.
Die Rahmenhandlung greift immer mal wieder ein in den Thriller-Erzählstrang. Und sie bedient weniger den Thriller als das Drama. Während die Verbrecher-Geschichte finit ist, gibt es in der Lebensgeschichte von Susan einige Fragen, die auch nach dem Film offen bleiben. In einem Aspekt ist Regisseur Tom Ford aber erstaunlich konsequent: Die Stimmung ist auch hier ziemlich betrüblich.

Optische Ästhetik, inhaltlicher Pessimismus
"Nocturnal Animals" weist eine sehr hohe optische Qualität auf. Tom Ford, der Mann auf dem Regiestuhl, ist eigentlich Modedesigner, hat für Gucci und Yves Saint Laurent gearbeitet. Es scheint eine Leichtigkeit für ihn zu sein, geschmackvolle Kostüme, Sets und auch Bilder auf die Leinwand zu bringen. Und er scheint eine diabolische Freude daran zu haben, diese mitunter oberflächliche Schönheit nicht in seine Geschichten einfließen zu lassen. Schon sein Erstling "A Single Man" war optisch von hoher Ästhetik geprägt, inhaltlich aber von Pessimismus getragen - bei "Nocturnal Animals" ist das nicht anders.
Regisseur Tom Ford ist ein echter Künstler. Denn während sein erster Gehversuch auf der Leinwand schon sehr erfolgreich und mit einigen Preisen ausgezeichnet war, geht er mit seinem zweiten Werk in eine ganz andere Richtung. Er probiert sich neu aus, sein Stil, hohe optische Ästhetik mit inhaltlicher Tristesse zu mischen, geht erneut voll auf. Allerdings gibt es eine Diskrepanz bei den beiden Geschichten: Der Handlungsstrang um den verzweifelten Familienvater ist wesentlich stärker als Susans Eheprobleme.

Fazit: 75 %

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