7. Dezember 2016

Rhapsodie im August

© Arthaus

Regie: Akira Kurosawa
Land / Jahr: Japan 1991












Einen Sommer bei Oma (Sachiko Murase) auf dem Land, in der Nähe der Großstadt Nagasaki nutzen vier Enkel dazu, Großmutter zu einem Besuch ihres sterbenden Bruders auf Hawaii zu bewegen - natürlich nur, um selbst die wunderschöne US-Insel zu besuchen. Doch die Vergangenheit mit dem Atombombenabwurf am 9. August 1945 lässt sich nicht so einfach verdängen.

Jidai-geki versus Gendai-geki
Der japanische Film lässt sich ganz grob in zwei große Lager aufteilen: Der klassische Samuraifilm, der Jidai-geki, der den Zuschauer in das feudale Japan entführt. Dem gegenüber steht der Gendai-geki, der japanische Gegenwartsfilm. Und Regisseur Akira Kurosawa war ein Meister beider Stilrichtungen - wenn auch seine Jidai-geki weitaus bekannter sind.
Der vorletzte Film eines der größten Filmregisseure der Kinogeschichte ist gleichzeitig einer seiner leisesten: "Rhapsodie im August" erzählt ein Familiendrama, das sich zu großen Teilen auf dem japanischen Land abspielt. Obwohl Kurosawa bereits 81 Jahre alt ist, als er bei diesem Film Regie führt, gelingt es ihm nicht nur, die Großmutter, sondern auch ihre Enkel glaubwürdig zu zeichnen. Sie wirken vielleicht gemein und manipulierend, sind aber ganz normale, echte Jugendliche aus den 90er Jahren.
Während Omi ihrem seit 45 Jahren toten Ehemann nachtrauert, der bei dem desaströsen Atombombenabwurf auf Nagasaki ums Leben kam, tragen ihre Enkel T-Shirts mit amerikanischen Sprüchen drauf. Tradition trifft auf Moderne, Kurosawa ist dabei aber keineswegs einseitig, bezieht keine Stellung. Argumente aller Seiten sind zu verstehen.

Undramatisierte Bilder
Um die Gräuel der Atombombe zu verdeutlichen zeigt das Regie-Genie in diesem Gendai-geki ungeschönte und undramatisierte Bilder der Gedenkstätten in Nagasaki - aus Respekt vor den schrecklichen Ereignissen bildet er ab, ohne in Versuchung zu kommen, mit Schnitt, Bildkomposition oder Musik zu kommentieren; die Bilder sprechen für sich selbst.
Im finalen Drittel kommt es zu einem Besuch des reichen Verwandten aus den Staaten. Großmutter trifft auf ihren Neffen, gespielt von Richard Gere. Die große Ehre für Gere mit Kurosawa zu arbeiten, zahlt der Hollywoodstar mit einem passend zurückhaltendem Spiel zurück. Auch diese Begegnung ist ein Moment der Versöhnung.
Leider hat es die Academy verpasst, dieses Plädoyer für den Frieden für den Auslands-Oscar zu nominieren. Dabei hätte es Akira Kurosawas vorletztes Werk durchaus verdient gehabt, höchste Filmehren zu empfangen - vor allem wo es doch auch die USA waren, die die Bombe abwarfen. Kurosawa erinnert an ein schreckliches Kapitel der japanischen Geschichte. "Rhapsodie im August" ist ein zutiefst humanes Beispiel für Völkerverständigung.

Fazit: 80 %

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