20. Dezember 2016

Rogue One: A Star Wars Story

© Disney

Regie: Gareth Edwards
Land / Jahr: USA 2016












Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones) erfährt davon, dass das Imperium gerade dabei ist eine Superwaffe zu erschaffen: Der Todesstern macht seinem Namen alle Ehre, kann er doch ganze Planeten vernichten. Doch es gibt Hoffnung, denn ihr Vater Galen (Mads Mikkelsen), der Architekt der Waffe, hat ihr eine Achillesferse verpasst. Jyn macht sich auf die Suche nach den Konstruktionsplänen.

Filmstudio in den Diensten des Imperiums
Würde es das "Star Wars"-Universum in Wirklichkeit geben, so wäre Disney mit Sicherheit das Lieblingsstudio des Imperators. Seit Disney die Rechte an dem Franchise gekauft hat, setzt das Mäusestudio alles daran, möglichst viel Geld mit den Figuren von George Lucas zu machen. Disney ist überhaupt nicht daran interessiert, Geschichten zu erzählen, es geht nur um das Geschäft.
Und schon ein halbes Jahr vor Kinostart machte "Rogue One: A Star Wars Story" fette Negativschlagzeilen: Bis zu 40 Prozent des Filmes mussten neu gedreht werden. Angeblich war Disney das ursprüngliche Ergebnis zu düster - was allerdings von allerhöchster Ebene seitens der Studio-Chefetage dementiert wurde.
Das Ergebnis ist überraschend. Ja, dieses Quasi-Prequel zu "Krieg der Sterne" ist mit gigantischem Abstand und in allen Belangen der düsterste aller Filme aus dem "Star Wars"-Universum, aber er funktioniert prächtig. Denn Regisseur Gareth Edwards erzählt hier entgegen aller Erwartungen eine echte Geschichte, das Drehbuch ist absolut überzeugend.
Es geht hier nicht darum, dass anfangs ein Bösewicht etabliert wird, der in einem finalen Kampf zur Strecke gebracht wird. Es gibt einen Haufen interessanter Nebenhandlungsstränge, die alle gekonnt miteinander verwoben sind und die allesamt Spaß machen. Dieses Drehbuch übertrifft alle Erwartungen mit seiner durchaus vorhandenen Cleverness. Im Vergleich mit "Episode VII: Das Erwachen der Macht" ist "Rogue One" ein großer Schritt nach vorne.

Zum Töten freigegeben
Es gibt aber auch Ebenen, auf denen die Macht der siebten Episode stärker ist und das sind die Figuren. Zugegeben: Edwards zeichnet fast ein Dutzend sympathischer Charaktere, die alle gleich mehrere tolle Szenen im Laufe des Filmes haben. Da aber nahezu keine Figur in den narrativ an "Rogue One" anknüpfenden Episoden auftritt, schert sich Edwards nicht um ihr Überleben. Wer sich nach dem Film das Filmposter anschaut, dem wird klar, dass es eine Art Todesliste ist.
Und die Struktur des Filmes ist zwar qualitativ sehr hochwertig, aber obwohl nur das Original "Kireg der Sterne" hieß, ist das hier der einzige echte Kriegsfilm der Reihe. "Rogue One" erzählt eine kriegerische Geschichte, die von martialischen Taktiken handelt. Nur mit der richtigen Strategie kommen die Figuren an ihr Ziel. Sollte Disney wirklich mit dem Ton unzufrieden gewesen sein, dann ist das absolut zu verstehen. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass sie wenigstens das Drehbuch gelesen haben müssten, da steht ja drin, worum es geht.
"Rogue One: A Star Wars Story" ist sehr gute und ästhetische Unterhaltung, dessen dreckiger Stil ein wenig an den ausgezeichneten "Mad Max: Fury Road" erinnert. Aber er ist definitiv kein Film für jüngere Zuschauer - und wenn man bedenkt, dass bereits Sechsjährige in Begleitung von Erziehungsberechtigten ins Kino mitgenommen werden dürfen, dann ist das eine weitere völlige Fehleinschätzung der FSK. Kinder werden nicht mit der düsteren Atmosphäre zurecht kommen, sie werden nicht das Ableben zahlreicher Protagonisten verkraften, sie werden die komplizierte Handlung nicht verstehen und der kriegerische Unterton, der sich durch den gesamten Film zieht, hat absolut nichts in der Realität eines Kindes zu suchen. Im Vergleich mit "Episode VII: Das Erwachen der Macht" hat "Rogue One" die bessere Story, aber auch die schwächeren Figuren. Dennoch sind beide sehr gute Filme.

Fazit: 80 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen