5. Dezember 2016

Sully

© Warner

Regie: Clint Eastwood
Land / Jahr: USA 2016












Der 15. Januar 2009 änderte das Leben des US-Airways-Piloten Chesley "Sully" Sullenberger (Tom Hanks): Kurz nach dem Start werden die Triebwerke seiner Maschine durch sogenannten Vogelschlag zerstört, der erfahrene Flugkapitän entscheidet sich, das Flugzeug im Hudson River zu landen. Zwar überleben alle Passagiere, dennoch muss sich Sully einer Ermittlungskommission stellen.

Serienmörder und echte Helden
Das Thema "Helden" ist immer ein gerne besprochenes in den USA. Am liebsten mögen die Amis Superhelden aus Comics, aber auch normale Menschen, denen etwas Herausragendes gelungen ist, werden mit Vorliebe glorifiziert. In "American Sniper" machte Eastwood aus einen Serienmörder - andere nennen das "Scharfschützen" - einen US-Helden; diesmal ist seine Wahl etwas stilsicherer ausgefallen.
Chesley "Sully" Sullenberger heißt der Pilot einer Passagiermaschine, der im Laufe des Filmes selber bedauert, dass er zwar mehr als eine Million Menschen in seiner Karriere befördert habe, aber dennoch nur an 208 Sekunden seines ungewöhnlichsten Fluges gemessen werde. Und dadurch, dass Regisseur Clint Eastwood ihm einen ganzen Spielfilm widmet, der von eben diesem Flug handelt, macht der erfahrene Filmemacher genau das, wofür er andere verurteilt. Paradox, aber wahr.
Von den zerstörten Triebwerken bis zur Notlandung in dem New-Yorker-Teil des Flusses vergingen allerdings nur die schon angesprochenen 208 Sekunden, wie macht man daraus einen ganzen Film? Genau das ist das größte Problem des Absturz-Dramas. Und Eastwood entscheidet sich, aus einem Event gleich zwei Suspense-Sequenzen zu machen: Einerseits natürlich den Akt der Wasserlandung, andererseits die Ermittlungen gegen Sully durch die Kommission.
Zwischen diesen Spannungsmomenten gibt es noch eine Handvoll weniger interessante Szenen in Bars und Hotels. Der stille Amerikaner treibt sich rum, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Allerdings nichts Anrüchiges. "Sully" wird zwar niemals langweilig, aber dennoch muss sich Eastwood alle Mühe geben, die 96 Minuten (inklusive Abspann) voll zu kriegen. Denn eigentlich gibt es gar nicht so viel zu erzählen, da damals alles ganz professionell und unproblematisch ablief.

Technisch fehlerlos
Bei all diesen inhaltlichen Unzulänglichkeiten, ist die Regie Eastwoods allerdings sehr souverän. Der Film-Veteran erzählt sehr unaufgeregt und somit der Geschichte und seiner Hauptfigur entsprechend. Seine Figuren verhalten sich wie echte Menschen, wozu natürlich auch die absolut soliden Darstellerleistungen beitragen. Nicht nur Sully, sondern auch sein Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart) sowie die restliche Cast liefern gute Performances ab.
Die Amis feiern sich für jeden Quatsch. Nicht, dass die lebensrettende Aktion Sullys nicht bemerkenswert gewesen wäre, aber für einen (Kino)-Spielfilm ist das Drehbuch dann doch dünn geworden. "Sully" ist technisch saubere und durch die kurze Laufzeit nette Kinokost mit ansprechenden Schauspielern. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht.

Fazit: 65 %

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