30. Dezember 2016

Vier gegen die Bank

© Warner

Regie: Wolfgang Petersen
Land / Jahr: Deutschland 2016












Eigentlich sind Boxer Chris (Til Schweiger), Werbeprofi Max (Matthias Schweighöfer) und Schauspieler Peter (Jan Josef Liefers) völlig unterschiedlich, doch der Hass auf die Bärenbank vereint sie. Denn sie fühlen sich von ihrem Anlageberater Tobias (Michael Herbig) betrogen und schmieden einen Plan, um ihr Geld zurückzubekommen.

Das Kassengift geht auf Nummer sicher
Deutschland - USA - Deutschland - Er ist zurück: Regisseur Wolfgang Petersen hat seit zehn Jahren keinen Film mehr gemacht. Sein Katastrophenfilm "Poseidon" aus dem Jahre 2006 soff an den Kinokassen genauso kläglich ab, wie das Schiff selbst. 160 Millionen Dollar durfte Petersen ins Wasser setzen, nur 60 Millionen kamen an den US-Kassen zurück. Schon sein Sandalenepos "Troja" blieb 2004 hinter den Erwartungen zurück. Der deutsche Filmemacher galt fortan als Kassengift.
In seiner Heimat darf Petersen nochmal ran. Dass er hier immer noch beliebt ist, zeigt die Cast, die sich für "Vier gegen die Bank" vor die Kamera drängt: Til Schweiger, Matthias Schwieghöfer, Jan Josef Liefers, Michael "Bully Herbig, Jana Pallaske und Alexandra Maria Lara gehören zur absoluten A-Liga der deutschen Schauspieler. Auch beim Stoff geht Petersen auf Nummer sicher: "Vier gegen die Bank" hat er vor genau 40 Jahren schon einmal gedreht: 1976 war er einer seiner frühen TV-Filme.
Das Budget liegt bei 13 Millionen Euro. Für deutsche Verhältnisse ist das immer noch sehr viel Geld für einen einzelnen Film. Das wurde nicht nur in die zahlreichen Stars, sondern auch in aufwändige Sets, großartige Maskenarbeit (Schweighöfer sieht im Finale aus wie ein Hippie-Wikinger) und jede Menge Komparsen investiert. Ein Auto darf der Petersen abfackeln, immer wieder hebt die Drohne ab und ermöglicht Kamerafahrten, die vor Jahren noch ein immenser Aufwand gewesen wären.

Mimische Entgleisungen
Doch an einer Stelle wurde jede Menge Geld gespart: Das Drehbuch stammt von einem Mann namens Tripper Clancy. Hört sich an wie ein Agentenname aus den 80ern. Und Tripper schreibt auch einen US-amerikanischen Film. Jede Menge Kitsch und Übertreibungen gibt es. Die Logik spielt allerhöchstens die fünfte Geige.
Warum werden die Aktionen der Bank nicht hinterfragt, warum verbündet man sich mit völlig Fremden? Lückenhafte Logik wird noch mit Unwahrscheinlichkeiten gemischt, auch Petersen auf dem Regiestuhl mixt noch eine gehörige Menge Over-Acting rein und lässt vor allem das Gesicht von Til Schweiger immer wieder zu Grimassen entgleisen, von denen selbst der gute Til nicht wusste, dass er sie drauf hat.
Aber immerhin passen die Figuren. Schweighöfer als schnöseliger und exzentrischer Werbefachmann ist eine gute Wahl, der Schweiger spielt die Parade-Rolle des naiven, aber gutherzigen Deppen ganz ordentlich - bis auf die mimischen Ausraster zwischendurch - und der Herbig liefert einen netten Banken-Nerd ab. Lediglich der Liefers bleibt in diesem Quartett hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Petersens Neuverfilmung von "Vier gegen die Bank" ist hochpreisiges Kino aus Deutschland mit einem glücklicherweise sehr hohen Tempo und sympathischen Figuren. Die Story ist aber bestenfalls unterdurchschnittlich und wie es der Filmemacher jemals in die Staaten schaffte bleibt ein Rätsel. So ein Ergebnis hätten viele andere Regisseure mit dem selben Budget und derselben Cast auch abgeliefert - mindestens.

Fazit: 40 %

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