21. Januar 2017

Hacksaw Ridge

© Universum

Regie: Mel Gibson
Land / Jahr: USA/Australien 2016












Während überall auf der Welt der Zweite Weltkrieg tobt, will Desmond Doss (Andrew Garfield) auch seinen Beitrag leisten, um die Achsenmächte zu bekämpfen. So meldet sich der Pazifist freiwillig beim Militär, den Dienst an der Waffe verweigert er jedoch: Während seine Kameraden Menschen töten, so will er sich darauf beschränken, verwundeten Soldaten das Leben zu retten.

Vater Teresa
Als Feigling wurde Desmond Doss von den anderen Soldaten angesehen, nach der Schlacht von Okinawa bekam er von Präsident Harry Truman am 12. Oktober 1945 die "Medal of Honor", die höchste militärische Auszeichnung der US-amerikanischen Regierung. 75 US-Soldaten verdanken seinem Mut ihr Leben - er hatte sie mutterseelenallein von gegnerischem Boden gerettet.
Eine Geschichte, perfekt für einen Hollywood-Veteranen wie Mel Gibson, der in seinem Kriegsdrama "Hacksaw Ridge" dem mutigen Soldaten Desmond Doss ein monumentales Denkmal gesetzt und damit einen der besten Kriegsfilme aller Zeiten auf die Leinwand gebracht hat. Man kann Gibson einiges vorwerfen, aber er ist einfach ein hervorragender Geschichtenerzähler.
Die 139 Minuten Laufzeit von "Hacksaw Ridge" sind niemals langweilig und vergehen extrem schnell. Die Aufteilung des Filmes erinnert an Stanley Kubricks Kriegs-Meisterwerk "Full Metal Jacket": Erste Hälfte Grundausbildung in der Heimat und in Hälfte Nummer zwei geht's für die Soldaten ins Gefecht. Gibson erzählt mit einer Leichtigkeit, dass der Eindruck entsteht, der Film laufe höchstens eineinhalb Stunden.

Erbarmungslos opulent
Wenn man sich das Ergebnis ansieht, dann ist fast gar nicht zu glauben, dass Gibson dieses opulente Werk mit einem im Verhältnis mickrigen Budget von nur 40 Millionen Dollar geschaffen hat. Jede Einstellung sieht groß aus, auf den Straßen Virginias fahren zeitgenössische Autos, die Figuren tragen authentische Kleidung.
Ganz zu schweigen von den Schlachtenszenen: Sobald die beiden Armeen aufeinander treffen, herrscht Krieg auf der Leinwand. Keineswegs heroisch inszeniert, sondern konsequent brachial und erbarmungslos. Auch hier ist ein Vergleich mit einem Meilenstein des Genres gerechtfertigt: Der Kampf um Hacksaw Ridge ist genauso bombastisch und grausam wie die Szene der Landung in der Normandie in Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan". Keine der vorher eingeführten Figuren bekommt eine Überlebensgarantie.
Und das Schöne ist, dass dem umstrittenen Filmemacher all diese Hollywood-Magie nicht mit tollen Spezial-Effekten, nicht mit einem genialen Plottwist oder einem sensationellen Stil gelingt. Gibson erzählt die Geschichte auf ganz klassische Art und Weise. "Hacksaw Ridge" ist so gut, weil er einfach nur bestes Hollywoodkino ist, was gerade heutzutage nur die wenigstens Regisseure noch können.
Von vielen totgesagt, ist Mel Gibson zurück auf dem Regiestuhl mit einem Genre-Meisterwerk. Klassische Hollywood-Erzählkunst über einen Mann, der in düsteren Zeiten ohne Waffengewalt Unfassbares geleistet hat. Ja, der Film ist wenig daran interessiert, auch die andere Seite zu zeigen. Ja, am Ende wird es etwas pathetisch und heroisch, aber wer bei Kriegsfilmen generell moralische Bedenken hat, den wird auch "Hacksaw Ridge" nicht bekehren.

Fazit: 90 %

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