11. Januar 2017

Hell or High Water

© Paramount

Regie: David Mackenzie
Land / Jahr: USA 2016












Die beiden Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner Howard (Ben Foster) überfallen die Filialen der Texas Midland Bank - und zwar ausschließlich dieses Geldinstitut, schließlich haben sie mit der Bank noch eine Rechnung offen. Ihnen auf den Fersen ist Cowboy-Sheriff Marcus Hamilton (Jeff Bridges), der vor seiner Pensionierung noch einen dicken Fall aufklären will.

Eine der größten Überraschungen 2016
Die Storyline von "Hell or High Water" liest sich nicht wie hochqualitative Unterhaltung, das Ergebnis ist eine der größten Überraschungen des Kinojahres 2016. Ob es das brillante Drehbuch von Taylor Sheridan - der davor "Sicario" schrieb - oder die Regie von David Mackenzie ist, die gemeinsam die Darsteller zu sehr guten bis hervorragenden Leistungen trieben ist unklar. Fest steht: Dieser Heist-Movie bietet viel mehr, als zu erwarten gewesen wäre.
Das Glanzstück ist das Drehbuch. Erzählt wird eine Geschichte von zwei Brüdern, die in jedem anderen Film eigentlich die Bösen gewesen wären. Hier sind ihre Handlungen partiell nachvollziehbar. Autor Sheridan macht alle mitverantwortlich für das Fiasko und vor allem die Banken, die hier brutal überfallen werden, haben jede Menge Dreck am Stecken - sie sind nicht kriminell, sondern verhalten sich moralisch bedenklich. Die Gesellschaftskritik ist nie zu dick aufgetragen, dafür aber allgegenwärtig - das können die wenigsten.
Dass Ben Foster gute Leistungen abliefert, ist keine Seltenheit. Der US-Amerikaner hat ein Händchen für Rollen, die nicht zu independent, aber auch nicht zu dämlich sind. Bei Chris Pine ist das anders. Das Bubi-Gesicht mit den absurd auffälligen Augenbrauen hat Totalausfälle wie McGs ultrapeinlichen "Das gibt Ärger" in der Filmographie. Jetzt will er wohl mal einen echten Mann spielen und weg von dem lächerlichen Ken-Image. Und es gelingt ihm, einen gebrochenen, aber entschiedenen Texaner zu spielen, der sich auf seine eigene Weise rächen will.
Ihr Gegenspieler liefert im Gegensatz zu den beiden jungen Herren keine sehr gute Leistung ab: Jeff Bridges spielt ausgezeichnet, ja sogar oscarverdächtig! Sein Cop, der noch einmal einen dicken Fall aufklären will, wirkt wie ein harter Typ, ist aber eigentlich nur ein ganz normaler Mensch. Markige Sprüche, oftmals mit einer gehörigen Portion Rassismus gegenüber seinem Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) gehören für ihn zum Alltag. Er ist Pragmatiker und entscheidet stets rational, Bridges spielt das außerordentlich gut.

CGI-freie Texas-Cowboys
Und dann noch diese Optik: Keine Spezialeffekte. Sicherlich wurde hier und da retuschiert oder mit kleinen Tricks nachgeholfen, aber der Film wirkt noch wie ein echter Kinofilm. Wie ein Werk aus den guten alten 70ern, als noch Aspekte wie Regie, Drehbuch und Darsteller wichtig waren und nicht möglichst inhaltsfreie und langgezogene Actionszenen, vollgepumpt mit CGI. Das Dreckige kommt von den Sets, von den Figuren, von der Stimmung, die dieser Film verbreitet.
David Mackenzie serviert Rache mit einer dicken Portion Intelligenz als Beilage. "Hell or High Water" liefert oberflächlich die typische 08/15-Bankraub-Geschichte, die durchgehend ein gewisses Spannungslevel halten kann. Darunter gibt es aber viel Gesellschaftskritik und ein ehrliches Bild von Texas. Ein Texas, in dem noch jeder alte Mann wie selbstverständlich mit einem Revolver in der Jeans eine Bank betritt. Denn hier sind sie auf die eine oder andere Art alle Cowboys - auch die Banken selbst.

Fazit: 80 %

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