24. Januar 2017

Love & Friendship

© KSM

Regie: Whit Stillman
Land / Jahr: Irland, Frankreich, Niederlande 2016












England, Ende des 18. Jahrhunderts: Die Witwe Lady Susan Vernon (Kate Beckinsale) verfolgt eine ganz klare Mission: Sie will für sich sowie für ihre Tochter Frederica (Morfydd Clark) einen wohlhabenden Ehemann finden. Dafür würde sie ihr liebes Kind sogar mit einem waschechten Dummkopf verheiraten.

Irrungen und Titel-Wirrungen
Sehnsuchtsort vieler romantischer Leser, die gerne ins England des späten 18., frühen 19. Jahrhunderts entfliehen, sind die Romane von Jane Austen. Prinzipiell geht es immer darum, einen passenden Ehemann für sich selbst oder für eine Angehörige zu finden, unter dem Decklmantel romantischer Heiterkeit verbirgt sich aber stets eine treffende Gesellschaftsanalyse.
Neben den ganz großen Werken wie "Stolz und Vorurteil" und "Sinn und Sinnlichkeit" hat es jetzt mal wieder ein etwas unbekannteres Werk aus Austens Bibliografie in die Kinos geschafft: "Love & Friendship". Manch ein Austen-Kenner wird jetzt denken, das Werk gar nicht zu kennen, was daran liegt, dass die literarische Vorlage den Titel "Lady Susan" trägt.
Auch sonst scheint Regisseur Whit Stillman, der auch das Buch adaptierte, nicht wirklich das richtige Taktgefühl für Jane Austens Geschichten zu haben. Sind viele Kino-Adaptionen der Austen-Werke jenseits ihrer Handlung stets fröhlicher Natur, so hat "Love & Friendship" vielleicht einen lockeren Titel, aber ansonsten einen Stock im Arsch.
Die Figuren wirken durchgehend gehemmt, die Atmosphäre ist nicht so heiter und amüsant, wie man es sich erhofft. Zudem kommen die komödiantischen Aspekte hier so kurz, dass der Film nicht diesem Genre zugeordnet werden kann. Zehn amüsante Momente gibt es, die für ein Schmunzeln sorgen können - und das ist schon mit viel Wohlwollen gezählt.

Ein klassisches Beispiel für zu viel gewollt
Das größte Problem sind aber nicht die gerade einmal durchschnittlichen Darbietungen der Darsteller. Gut, Kate Beckinsale ist vielleicht in dem hautengen Leder-Outfit in der No-Brainer-Reihe "Underworld" besser aufgehoben, als in einem möchtegern-stilvollen Oberschichten-Drama des 18. Jahrhunderts, aber sie liefert immerhin keine schlechte Performance ab.
Nein, auch hier muss Whit Stillman der Vorwurf gemacht werden, dem es noch nicht einmal gelingt, eine so wunderbare Vorlage wie ein Buch von Jane Austen adäquat mit Leben zu füllen. Überhastet prest er möglichst viele Figuren in knappe 92 Minuten Spielzeit. Zum Start des Filmes werden wie bei einem Memory alle wichtigen feinen Herrschaften vorgestellt. Einige davon, wie beispielsweise der Pfarrer, haben bestenfalls fünf Minuten Screentime. Wer hier nicht genau aufpasst, der hat schon verloren.
Auch sonst fehlt das Taktgefühl. Möglichst viele Szenen aus der Vorlage mussten wohl im Film landen, was den Regisseur dazu veranlasste, die Dialoge so zügig aneinander zu schneiden, dass er es sogar noch schafft, die eigentlich sehr schlichte Handlung unnötig zu verkomplizieren. Ein passendes Beispiel für die gute alte Weisheit: Weniger wäre mehr gewesen.
"Love & Friendship" degradiert ein kleines Büchlein aus der Feder der berühmten Jane Austen zum Mittelmaß, weil der Mann hinter dem Film, Whit Stillman, keinerlei Ahnung vom Filmemachen und Geschichtenerzählen hat. Selten wurde Austen so trocken und bieder inszeniert wie in "Love & Friendship". Da kann man lieber noch einmal Ang Lees hervorrganden "Sinn und Sinnlichkeit" schauen. Und Kate Beckinsale ist in ihrem Werwolf-Jäger-Outfit besser aufgehoben.

Fazit: 50 %

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