25. Januar 2017

Manchester by the Sea

© Universal

Regie: Kenneth Lonergan
Land / Jahr: USA 2016












Als sein Bruder stirbt, muss Lee Chandler (Casey Affleck) wohl oder übel in seine Heimatstadt, den winzigen Küstenort Manchester-by-the-Sea, zurückkehren. Dort kümmert sich der wortkarge Lee widerwillig um seinen Neffen Patrick (Lucas Hedges) und begegnet auch seiner Ex-Frau Randi (Michelle Williams).

Viel Aufmerksamkeit für einen kleinen Film
Der Titel "Manchester by the Sea" ist, wie nahezu immer bei Eigennamen, generisch. Ob der Film in eben diesem Küstenstädtchen an der Ostküste der Vereinigten Staaten spielt oder in einem x-beliebigen anderen Örtchen, das spielt für die Handlung überhaupt keine Rolle. Das ist aber auch schon der größte Kritikpunkt an diesem geschmackvollen und anspruchsvollen Drama.
Getragen wird Kenneth Lonergans Kunststück von drei überzeugenden Komponenten. Zuerst ist das das intelligent-melancholische Drehbuch aus der Feder des Regisseurs. Lebensnahe Figuren, lebensnahe Dialoge, eine tragische, aber dennoch niemals auch nur minimalst unglaubwürdige Handlung.
Perfekt dazu passt die Regie von eben jenem Kenneth Lonergan, der eigentlich mit eher kleinen Filmen wie "Margaret" und "You can count on me" auf sich aufmerksam machte. Aber eigentlich ist auch "Manchester by the Sea" ein eher kleiner Film, würde er nicht aufgrund seiner stark überdurchschnittlichen Qualität soviel berechtigte Aufmerksamkeit bekommen.

Zehn Minuten Screentime reichen nicht
Als dritter Aspekt kommt das fantastische Spiel der Cast daher. Alle spielen mindestens gut, einige sehr gut und Hauptdarsteller Casey Affleck liefert eine einzigartige Leistung, mit Sicherheit die beste seiner Karriere, ab. Seine deprimierend-depressive Existenz spielt Affleck mit einer traurigen Gleichgültigkeit, die niemals daran zweifeln lässt, dass er längst mit seinem Leben abgeschlossen hat.
Nicht weniger gut ist auch Michelle Williams - und dennoch ist ihre Oscarnominierung nicht nachzuvollziehen. Sie ist zwar "nur" in der Kategorie beste Nebendarstellerin nominiert, aber auch da sind vier kleine Szenen mit einer Gesamt-Screentime von weniger als zehn Minuten schon arg dürftig. Das kann allein quantitativ schon nicht ausreichen, selbst wenn die Performance noch so überzeugend ist.
"Manchester by the Sea" ist so lebensnah wie große Kinomeisterwerke und muss auch den Vergleich wie mit dem stillen russischen Drama "Leviathan" oder dem iranischen Geniestreich "Nader und Simin - eine Trennung" nicht scheuen. Echte Amerikaner mit echten Problemen werden hier auf die Leinwand gebracht - das ist gerade in den USA nicht die übliche Filmkost. Das Finale ist vielleicht ein wenig unbefriedigend, findet das Drama doch keinen echten Höhepunkt, aber das Gesamtwerk ist wunderbares Autorenkino.

Fazit: 80 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen