31. Januar 2017

Nachtmahr, Der

© Koch Media

Regie: Achim Bornhak
Land / Jahr: Deutschland 2015












Tina (Carolyn Genzkow) liebt es zu feiern. Zu 'ner guten Technoparty gehören auch mal Drogen. Der Exzess geht bis tief in die Nacht. Doch eines Nachts hört sie ein merkwürdiges Geräusch - eine kleine Kreatur sitzt vor dem Kühlschrank in ihrem Elternhaus. Die beiden beginnen eine bizarre Freundschaft miteinander und niemand glaubt Tina, dass dieses Wesen tatsächlich existiert.

Vorsicht: Bild und Ton!
Zum Start des Filmes wird in Texttafeln gewarnt: "Achtung, der folgende Film enthält blinkende Muster und Lichter, die in Einzelfällen epileptische Reaktionen hervorrufen können!" Auch der Hörsinn bleibt nicht verschont: "Dieser Film enthält isochronische Töne und binaurale Frequenzen!" Regisseur Achim Bornhak aka Akiz hat nicht weniger als seinen perfekten Mindfuck erschaffen.
"Nachtmahr" heißt es auf Altdeutsch, "Alptraum" auf Deutsch. Aber wer ist hier der Nachtmahr? Ist es die feierwütige Tina, die manchmal im Drogenrausch, manchmal vollkommen nüchtern, diese merkwürdige Kreatur sieht? Oder ist es die Kreatur selbst, die völlig harmlos zu sein scheint und von allen anderen außer Tina, unbemerkt im Haus ihrer Eltern wohnt?
Aber nicht immer sind die Grenzen zwischen Traum und Wachstadium klar. Oder ist Tina ständig wach und geistig nicht ganz auf der Höhe? Nach Zweidritteln des Films wird es dann etwas klarer, wenn sich endlich die Kreatur und auch mal andere Menschen außer der guten Tina gemeinsam in einem Raum befinden. Vielleicht der heftigste Moment dieses bizarren Filmerlebnisses. Danach baut "Der Nachtmahr" leider etwas ab.
Insgesamt gibt es immer mal wieder Gänsehautmomente. Und für solch ein intimes kleines Filmchen erstaunlich wenig Szenen, die nicht so gelungen wirken. Das ist aber ein natürliches Risiko, schließlich ist "Der Nachtmahr" kein reines Drama, kein reiner Horrorfilm, kein reines Kunstwerk - aber von allem etwas. Und vor allem ist er echtes Autorenkino.

Keine finanzielle Verunreinigung
Die Puppe des Nachtmahrs ist über Jahre hinweg entstanden, eines dieser Exemplare sei sogar, so informiert der Filmemacher, komplett mit Atmung und Mechanik ausgestattet. Das ist keine seelenlose CGI-Kreatur aus einem Hollywood-Rechner - naja, bis auf die kleine Ausnahme der Augäpfel und der Zunge, die im Computer endstanden sind.
Knappe 100.000 Euro hat dieser Trip gekostet und damit ist nicht die Figur gemeint, sondern der komplette Film - finanziert gänzlich ohne TV-Anstalten oder Filmförderfons. Im Vergleich: Ein "Tatort" kostet mal eben so zwei Millionen Euro - 100.000 Euro sind für einen Kinospielfilm No-Budget. Independent-Film in seiner Reinform. Das hat natürlich einen klaren Vorteil: Der Künstler kann sich komplett entfalten, braucht sich von niemandem in sein Werk reinpfuschen zu lassen. Und trotzdem: "Der Nachtmahr" sieht in keiner Einstellung billig oder trashig aus.
Bornhak verspricht auf seiner Website nicht weniger als ein "filmisches Triptychon, Geburt-Liebe-Tod'", von dem "Der Nachtmahr" der erste Teil sei. Und dieses finanziell winzige Film-Projekt ist eines der interessantesten der gegenwärtigen deutschen Kinolandschaft. Es scheint als könnten Freak-Filme wie "Der Nachtmahr" und Nikias Chryssos' "Der Bunker" ein "Neues Deutsches Genre-Kino" zum Leben erwecken.

Fazit: 65 %

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