16. Januar 2017

Zweite Chance

© Prokino

Regie: Susanne Bier
Land / Jahr: Dänemark, Schweden 2014












Polizist Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) entdeckt in der Wohnung eines Drogenpärchens ein total vernachlässigtes Baby. Als Andreas' Sohn stirbt, tauscht er heimlich die Babys aus. Seine Frau Anna (Maria Bonnevie) kann die Situation nicht verkraften und die echten Eltern des gestohlenen Kindes planen eine Vertuschungsaktion.

Option auf ein besseres Leben
Regisseurin Susanne Bier liebt es einfach mit realistischen Gedankenspielen zum Diskutieren anzuregen. "Zweite Chance" ist ein wunderbares Beispiel dafür, stellt sie doch die Frage, ob es für das vertauschte Baby nicht die bessere Option auf ein gutes Leben ist. Darüber entscheiden wollen Menschen, die selbst jede Menge Dreck am Stecken haben.
Was jedoch überrascht ist, dass Susanne Bier sich diesmal nicht dazu entscheidet, dieser Frage in einem Drama nachzugehen. Sie spinnt die Geschichte immer weiter und macht aus einem möglicherweise genialen Sozialdrama einen leider nur überdurchschnittlichen Thriller. Immer wieder gibt es ausgeklügelte Wendungen, die zwar alle passen, aber das Gesamtwerk manchmal ein wenig überlasten.

Skandinavisch düster
Absolut makellos sind aber die Leistungen einiger Darsteller. Das Proll-Pärchen, gespielt von May Andersen und Nikolaj Lie Kaas, ist absolut fantastisch. Sie sind einerseits gänzlich untaugliche Eltern, wenn sie beispielsweise im Beisein des Kindes eine Kippe nach der anderen rauchen oder wenn Tristan wieder einmal seine Forderungen mit der Faust durchsetzen muss, andererseits sind auch die "rechtschaffenen" Figuren mit Makeln überzogen. Wer darf hier eigentlich urteilen?
Die Atmosphäre dabei ist typisch skandinavisch düster. Im Gegensatz zu deutschen Filmemachern, die sich an amerikanischen Vorbildern orientieren und auf Knalleffekte setzen, haben die Skandinavier ihren eigenen Stil gefunden. Das überzeugt, weil es ehrlich und konsequent rüberkommt.
"Zweite Chance" hätte ein ausgezeichnetes Drama sein können, Regisseurin Susanne Bier entschied sich für einen immerhin starken Thriller. An einigen Stellen mag der Film zwar nicht ausgewogen scheinen, aber packender weil qualitativ hochwertiger als beispielsweise deutsche Thriller-Produktionen ist dieser dänischer Film allemal. Zudem ist das Gedankenspiel zwar nicht sonderlich komplex, dafür aber hoch-diskutabel.

Fazit: 75 %

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